Obamas Manager: "Alles nutzen, um besser zu kommunizieren"

21. März 2009, 12:38
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Weil Online-Medien Menschen dazu bringen, sich zu engagieren, sind sie wirkungsvolles Werkzeug, erklärt Thomas Gensemer

Standard: Barack Obama wurde gewählt, weil er Online-Medien perfekt einsetzte. Behauptet zumindest Filmemacher Danny Schlechter - stimmen Sie zu?

Gensemer: Barack Obama hat gewonnen, weil es ihm gelang, Energie und Sehnsucht von Amerikanern aus allen Lagern anzuzapfen, die ihre Regierung wieder kontrollieren wollen. Seine Botschaft hat gewonnen - unsere Technologie- und Online-Strategie haben ermöglicht, dass sich Millionen dafür engagieren konnten. Dadurch spürten sie, dass aus Millionen kleinerer Aktionen nationale und globale Änderung entsteht.

Standard: Sie haben auch schon früher Online-Kampagnen gemanagt. Was war der Unterschied zwischen Howard Dean und Obama?

Gensemer: Die Bereitschaft der Wahlorganisation, sich vollständig darauf einzulassen. New Media wurde mit Personal gut ausgestattet, hatte genug Geld und Zugang zur gesamten Kampagnenorganisation. Und, dass unsere Firma als Entwickler und Experten beigezogen wurde. Dazu kam, dass es Tools wie Facebook, Youtube und andere 2003/04 noch gar nicht gab.

Standard: Welche Medien bevorzugen Sie - SMS, Blogs, anderes?

Gensemer: Ich bin ein Anhänger aller Mittel, die einem Auftraggeber helfen, besser mit seiner Zielgruppe zu kommunizieren. Einerseits bin ich ein Fan von Direct Mail, auf Papier im Kuvert. Darum ist E-Mail noch immer Grundlage der meisten Aktionen, sie ist mess- und steuerbar, kann personalisiert werden und ist beinahe universell.

Ich bin andererseits kein Anhänger von Technologie der Technologie willen. Bestimmte Werkzeuge sollte man nur einsetzen, wenn sie einen speziellen Zweck erfüllen. Persönlich bin ich E-Mail- und Blackberry-süchtig, habe ein paar Lieblings-Blogs, und wenn ich nicht arbeiten muss, knotze ich mich gern mit einer guten, alten Zeitung aus Papier hin, an deren Tinte man sich die Finger schmutzig macht.

Standard: Was halten Sie von Netzwerken wie Facebook oder Twitter?

Gensemer: Wie auch bei anderen Werkzeugen: Sie können sehr wirksam sein, aber können auch ablenken und haben Limits.

Standard: Kritiker meinen, dass Online-Kampagnen Privatsphäre und Image gefährden könnten.

Gensemer: Ich glaube nicht, dass es große Gefahren gibt. Vor allem in der Politik muss das Image eines Kandidaten verantwortungsbewusst gemanagt werden. Das bedeutet, mit seinen Zielen authentisch, transparent und ehrlich umzugehen. Dieselben Grundregeln gelten auch online.

Standard: Sie sollen Ihren Erfolg mit Obama für Labour wiederholen. Was unterscheidet die USA von Großbritannien?

Gensemer: Kürzere Wahlzyklen, höhere Parteienloyalität und eine andere Vorstellung von Parteimitgliedschaft fallen mir als Erstes ein. Da Labour so lange in der Regierung war, haben wir das Problem des "Incumbents", das heißt, man muss einen Besitzstand verteidigen, was gänzlich anders ist als bei der Obama-Kampagne. Darum ist es auch so wichtig, dass man jede Kampagne, jeden Kandidaten, von Grund auf jeweils anders angeht. Bei Labour wollen wir zunächst die Beziehungen zur Basis stärken: Aktivisten identifizieren, sie engagieren, und Online-Plattformen für Offline-Aktivitäten aufbauen. Individuen können in Kampagnen einen Unterschied machen: Darum kann das direkte Online-Engagement, das in beide Richtungen geht, so unglaublich wirkungsvoll sein. (Doris Priesching, DER STANDARD/Printausgabe, 21.3.2009)

 

  • Zur Person: Thomas Gensemer (31) ist Geschäftsführer von BlueState
Digital und gilt als "Mastermind" hinter Barack Obamas erfolgreicher
Online-Kampagne. In Großbritannien soll er für die Labour-Partei diesen
Erfolg wiederholen. Gensemer spricht am Montag beim "Media &
Lifestyle Summit" am Arlberg über "Inside the Obama Web".
    foto: standard/herbert

    Zur Person: Thomas Gensemer (31) ist Geschäftsführer von BlueState Digital und gilt als "Mastermind" hinter Barack Obamas erfolgreicher Online-Kampagne. In Großbritannien soll er für die Labour-Partei diesen Erfolg wiederholen. Gensemer spricht am Montag beim "Media & Lifestyle Summit" am Arlberg über "Inside the Obama Web".

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