Gute Nachricht: Metall wird nicht mehr gestohlen

20. März 2009, 22:06
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Der Grund: Auch der Schwarzmarkt ist zusammengebrochen - Von der Konjunkturflaute profitieren aber auch dubiose Händler

Wien - Zumindest Autobesitzer können sich über die Wirtschaftskrise freuen. Ihre Katalysatoren sind nämlich viel sicherer geworden. Den Grund kennt Rupert Sprinzl, Leiter des Büros für Eigentumskriminalität im Bundeskriminalamt (BK): Der Metallmarkt ist quasi zusammengebrochen. "In den vergangenen Jahren haben die Täter fast alles gestohlen. Kabelrollen von Baustellen, Kirchendächer und eben Katalysatoren. In denen ist nämlich Wolfram enthalten."

Doch seitdem die Stahlkonzerne die Produktion zurückfahren müssen und die übrigen Metallverarbeiter Arbeiter entlassen, sind Bunt- und Edelmetalle auch für die kriminelle Schattenwirtschaft weniger interessant geworden. "Wir haben in den vergangenen Monaten durchaus einen Rückgang bei dieser Deliktsart beobachtet", meint Sprinzl.

Die weniger positive Seite: Wenn ein Markt uninteressant wird, rücken andere in den Mittelpunkt. In Wien wurden seit Dezember rasante Anstiege im Bereich der Einbruchskriminalität registriert. In den ersten beiden Monaten des Jahres wurde bei Wohnungseinbrüchen ein Plus von 28 Prozent verzeichnet, in Einfamilienhäuser drangen Täter um 60 Prozent öfter als im Vorjahr ein - 537 Fälle in acht Wochen (siehe Grafik).

"Ich halte es aber für spekulativ, den Einfluss der wirtschaftlichen Lage auf einzelne Delikte zu reduzieren", sagt Christof Hetzmannseder, Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung in Wien. "Man kann natürlich davon ausgehen, dass die Eigentumskriminalität steigen wird. Aber ob das bedeutet, dass es heuer mehr Banküberfälle oder mehr Raube gibt, kann wirklich niemand sagen."

Mehr Eigentum wird aber dank Konjunktureinbruch in jedem Fall den Besitzer wechseln - nicht nur durch Milliardenhilfspakete für Banken, sondern auch illegalerweise. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Hehler. "Bei international agierenden Banden ist alles straff organisiert. Es gibt Auftraggeber, Einbrecher, Kuriere und Hehler", weiß Hetzmannseder. Auch im Bundeskriminalamt kennt man Fälle, in denen originalverpackte elektronische Geräte in normalen Geschäften in Serbien standen - und nur anhand der Seriennummer konnte man erkennen, dass sie in Österreich gestohlen waren.

"Dann gibt es in Wien natürlich Geschäfte, wo nicht immer nachvollziehbar ist, woher die Ware kommt. Aber ein Großteil der Hehlerei spielt sich mittlerweile im Internet ab", sagt Hetzmannseder. "Ich will keine Plattform besonders hervorheben, aber bei den Online-Auktionen ist davon auszugehen, dass nicht immer alles rechtmäßig ist." Bei der Kriminalpolizei will man künftig wieder über die Verkäuferseite häufiger zum Täter kommen, hofft er. "In unserer Strategie soll ein Schwerpunkt bei den Hehlern gesetzt werden."

Arno Pilgram vom Institut für Kriminalsoziologie der Universität Wien geht davon aus, dass dubiose Händler zu den Krisengewinnlern zählen werden. "Es wird Bevölkerungsgruppen geben, für die der Schattenmarkt wichtiger wird", ist er überzeugt. Das sei nicht unbedingt der klassische Schwarzmarkt, aber beispielsweise vergrößerte Flohmärkte, wo erstaunlich günstige Produkte angeboten werden. "Es geht natürlich sehr oft um Gruppen, die keine Leistungen unseres Sozialsystems bekommen, vor allem Fremde."

Ein Anstieg der Kriminalität hänge durchaus auch mit einer gestiegenen Anzeigebereitschaft zusammen, glaubt er. "Gerade bei Randgruppen ist die Mehrheit eher bereit, die Polizei zu rufen", glaubt er. Aber natürlich führe eine Wirtschaftskrise zu mehr Eigentumskriminalität. "Sozial und einkommensmäßig homogenere Gruppen haben eine geringere Kriminalitätsrate." Auch ein anderes Phänomen sei wissenschaftlich gut erforscht: Die Strafen werden härter.

Das kann die Kriminalität weiter anfachen. Denn einen Abwärtsstrudel gibt es - der aber nicht zwangsläufig durch globale Krisen ausgelöst wird. "Ich habe immer wieder Verdächtige gehabt, die ein normales Leben geführt haben. Dann wurden sie arbeitslos oder eine Beziehung zerbrach, oft kam Alkoholabhängigkeit dazu, und schließlich wurden sie Räuber oder Diebe", erinnert sich Hetzmannseder. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.3.2009)

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