FIA rudert zurück

20. März 2009, 21:31
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Nach heftiger Kritik der Teamvereinigung FOTA will FIA Regeländerung, nach der die Anzahl der Siege über den Titel entscheidet, erst 2010 umsetzen

Wien - Im Streit um die neue Weltmeister-Regel hat der Internationale Automobilverband nach heftiger Kritik durch Fahrer und Teams eingelenkt. "Wenn die Teams, aus welchem Grund auch immer, dem neuen System nicht zustimmen, wird seine Umsetzung aufgeschoben bis 2010", teilte die FIA am Freitagabend mit. Kurz zuvor hatte die Teamvereinigung FOTA in einem Statement sogar die Rechtmäßigkeit der Änderung angezweifelt, die zwölf Tage vor dem WM-Auftakt beschlossen worden war. Demnach sollte die Anzahl der Siege pro Saison über den WM-Titel entscheiden.

Der FOTA-Vorschlag zu einer Punkteänderung sei vom Weltrat am 17. März einstimmig abgelehnt worden. Dieser sah zwölf Punkte statt bisher zehn für den Sieger, neun statt acht für den Zweiten, sieben statt sechs für den Dritten und dann für die weiteren Platzierten fünf, vier, drei, zwei Punkte und einen Zähler für den Achten vor. Der Weltrat habe dann den "Winner takes all"-Vorschlag Bernie Ecclestones (Inhaber der kommerziellen Rechte) gebilligt. Dieser habe, so teilte es die FIA in dem Statement weiter mit, die Zustimmung der Teams gehabt.

Allerdings liefen diese dann öffentlich Sturm gegen die neue Regel. Und die FOTA klar, dass es für eine Änderung für die Saison 2009 zu spät sei, "wenn nicht alle teilnehmenden Teams einhellig zustimmen", und berief sich dabei auf das Sport-Reglement, demzufolge letztlich spätestens am 30. November vor einer Saison die Regeln feststehen müssen.

Entsprechend waren die Reaktionen ausgefallen, nachdem das World Council zwölf Tage vor dem WM-Auftakt seine Entscheidung getroffen hatte. "Es ist absurd, ernst und gefährlich, dass die Formel 1 eine Woche vor dem ersten Grand Prix in so einer Situation ist, die sehr schlecht für ihre Glaubwürdigkeit, ihre Sicherheit, die Teams, die Autohersteller, die Fans, die Journalisten und die Sponsoren ist", echauffierte sich Ferrari-Präsident und FOTA-Chef Luca di Montezemolo. Und Weltmeister Lewis Hamilton schimpfte: "Es ist eine Schande, was mit der Formel 1 passiert."

Die Rennställe und die Piloten fühlten sich von den Beschlüssen der FIA überrumpelt und in der Regel-Debatte übergangen. "Zum ersten Mal in den vergangenen Jahren arbeiten die Teams, Fahrer, Sponsoren und Fans alle zusammen für das Gute in unserem Sport. Jetzt müssen uns die Dachverbände nur noch zuhören und dabei helfen", sagte McLaren- Mercedes-Star Hamilton in Anspielung auf den offensichtlichen Alleingang der FIA.

Bei den Fahrern stieß vor allem der neue WM-Modus auf Widerstand, nachdem schon in der am 29. März in Melbourne beginnenden Saison der Starter mit den meisten Siegen Weltmeister werden sollte. "Diese Art der Entscheidungen verwirrt doch nur die Fans", wetterte der zweifache Weltmeister Fernando Alonso. Allerdings hob die FIA die neue Regeln auch nicht vollständig auf. In der Mitteilung war lediglich von einem Aufschub bis 2010 die Rede.

Die Teams machen zudem Front gegen die freiwillige Budgetgrenze von 33 Millionen Euro, die von 2010 an gelten soll. Derlei Änderungen würden Unsicherheit hervorrufen und "Entscheidungen für die Zukunft erschweren", befand di Montezemolo. Zuvor hatte schon Ferrari-Berater Michael Schumacher Kritik an den FIA-Entscheidungen geübt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Regeln die Formel 1 weiterbringen", urteilte der siebenmalige Champion. (APA/dpa)

 

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