Ein Gemüsegarten vor dem Weißen Haus

20. März 2009, 19:09
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Michelle Obama will das Image von Biokost fördern

Washington - Die Revolution fand auf der Südwiese statt. Nach Jahren intensivster Debatten um die Rabatten legte First Lady Michelle Obama am Freitag mit einer Volksschulklasse einen Gemüsegarten vor dem Weißen Hauses an. Auf etwas mehr als 100 Quadratmetern pflanzten die Kinder 55 Gemüsesorten an, allesamt aus biologischer Aufzucht. Darunter auch Rucola, den Salat, dessen Verzehr Barack Obama von seinen Parteifreunden in der Vorwahlsaison noch vorgehalten wurde - der abgehobene Jusprofessor, hieß es damals, bringe die Biersorten durcheinander, die amerikanische Hackler tränken, dafür delektiere er sich an Rucolasalat mit Tomaten.

Die Küchenchefs des Weißen Hauses wollen mit dem Biogemüse Staatsgäste und die Familie Obama - die bei der Pflege und Ernte Hand anlegen soll - verköstigen. Ganz abgesehen aber von dem in Krisenzeiten auch willkommenen Einsparungspotenzial im Gemüseeinkauf des US-Präsidentensitzes, loben hocherfreute Essensapostel die positive Vorbildwirkung der Aktion für das Fastfood-versessene Amerika.

"Es ist sehr symbolisch, Samen in die Erde zu geben. Das verheißt nicht nur bessere Ernährung, sondern auch mehr Bildung für die Menschen, die diese Aktion sehen", sagte Alice Waters, die seit Mitte der 1990er-Jahre für einen Gemüsegarten im Weißen Haus kämpft, der Washington Post.

Jimmy Carter hatte 1978 einen Gemüsegarten abgelehnt, die Clintons nur ein paar kleine Dachrabatten anlegen lassen, weil Gemüsezucht dem formalen Charakter des Weißen Hauses nicht entspräche. Zuvor allerdings gab es durchaus ambitionierte Gemüsezüchter im Amtshaus des US-Präsidenten: Eleanor Roosevelt war für viele Amerikaner im Zweiten Weltkrieg Vorbild für Selbstversorgung. 1918 schaffte Woodrow Wilson Schafe an, die mähten und düngten. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.3.2009)

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    Eigenbau-Rucola für die Obamas und ihre Gäste.

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