60 Prozent der Bürger für stärkere Rolle der EU

20. März 2009, 18:43
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Die Krise zwingt immer mehr Österreichern Einschränkungen auf - 22 Prozent können ihr Leben nicht nach eigenen Vorstellungen gestalten - Mit Infografik

Linz - In der aktuellen Krise erleben die traditionellen Werte einen Aufschwung - gleichzeitig aber auch die Extremisten. Neun Prozent der Österreicher sagen in einer in dieser Woche durchgeführten market-Umfrage, dass es für sie "völlig erwünscht" sei, dass "die Rechten und Nationalisten gestärkt" werden, 14 Prozent halten das immerhin noch für "eher erwünscht" - und nur 44 Prozent für völlig unerwünscht. Die härteste Haltung gegen das rechte Lager findet man in der höchsten Bildungsschicht - unter den bekennenden Anhängern der FPÖ gibt es aber eine mehrheitliche Zustimmung (und eine hohe Neigung, die Antwort zu verweigern).

Die Grafik zeigt aber auch: Die Linksextremisten gewinnen ebenfalls Sympathien. Sechs Prozent - besonders Akademiker und Maturanten - finden einen Aufschwung von Kommunisten und anderen Linken sehr wünschenswert, 15 Prozent halten den Trend nach links für immerhin "eher erwünscht" . Anhänger der Grünen und von Splitterparteien finden sich besonders stark in dieser Gruppe der Sympathisanten. Stark ablehnend sind ÖVP- und FPÖ-Wähler.
Gleichzeitig mit den neuen Sympathien für die alten Ideologien kommen aber auch die alten Werte wieder zur Geltung: "In einer Krise zeigt sich, dass die Menschen zusammenrücken wollen und dass sie dem Verzicht positive Seiten abzugewinnen versuchen" , sagt David Pfarrhofer vom market-Institut. Er verweist darauf, dass 88 Prozent die Entwicklung loben, dass die Menschen mehr zusammenrücken und einander zu helfen bereit sind, wenn die Lager schlechter wird.
Der Standard-Fragebogen gab mehr als zwei Dutzend Aussagen vor - Bescheidenheit und nachhaltiger Lebensstil stehen hoch im Kurs, Religion dagegen deutlich weniger.

Engere Spielräume

"Auffallend ist, dass die Zahl der Österreicher, die ihr Leben so gestalten können, wie sie es sich selber wünschen, im Lauf von nur einem Jahr stark geschrumpft ist. Im April 2008 haben uns noch 33 Prozent gesagt, dass sie ihr Leben auf jeden Fall gestalten können, wie es ihnen gefällt - heute sagen das nur mehr 19 Prozent. Die Zahl derer, die sich komplett einschränken müssen, ist zwar gleich geblieben, aber immer mehr Menschen fallen in die Gruppe mit mittleren bis großen Einschränkungen," sagt Pfarrhofer. 22 Prozent schränken sich mehr oder weniger stark ein.

Was bedeutet das nun politisch? Pfarrhofer: "Nur vier von zehn Österreichern wünschen sich, dass die regierenden Politiker abgewählt werden. Die Benotung der Arbeit der Bundesregierung hat sich seit dem April des Vorjahres doch stark gebesser. Damals war der Notenschnitt 3,89 - in der Schule wäre das ein ‚Genügend‘. Jetzt ist er bei 2.93, was einem ‚Befriedigend‘ entspricht." Die Noten für die Grünen haben sich leicht verschlechtert (von 3,75 auf 3,91). Dafür konnte sich die FPÖ (von 3,83 auf 3,65) leicht, das BZÖ (von 4,13 auf 3,7) sogar deutlich verbessern.

Strache als Krisengewinnler

Der Standard ließ auch fragen, wer wohl bei den Wiener Gemeinderatswahlen aus der momentanen Wirtschaftsentwicklung Vorteile ziehen wird - der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache oder der amtierende Bürgermeister Michael Häupl. Die Frage lautete konkret: "Wer glauben Sie profitiert eher von der Krise, bzw. ist in der Krise für die Wähler interessanter? Der amtierende Bürgermeister Michael Häupl von der SPÖ oder der Parteiobmann der FPÖ Heinz Christian Strache?" Darauf nannten 42 Prozent Strache und nur 23 Häupl. 12 Prozent meinen, dass beide gleich profitieren. Bei den 160 befragten Wienern punktet Häupl tendenziell etwas besser, aber auch unter den Wahlberechtigten des Gemeinderatswahl sind die Erwartungen an Strache höher.

Anders in Oberösterreich, wo die Frage ähnlich gestellt wurde: Dort nehmen 32 Prozent an, dass der amtierende Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) von der Krise mehr profitiert - vom Herausforderer Erich Haider (SPÖ) glauben das nur sechs Prozent. In Oberösterreich ist das Ergebnis noch deutlicher.
(Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 21./22. März 2009)

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