Liquidität ist der Trumpf in der Krise

20. März 2009, 17:28
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Unternehmen mit solider Finanzstruktur kommen gestärkt aus der Konjunkturflaute

Wien - "Cash is king", lautet derzeit die Devise bei Unternehmen. Wer in der glücklichen Lage ist, über ausreichend liquide Mittel zu verfügen, hat in der angespannten Wirtschaftslage massive Wettbewerbsvorteile. Wer noch dazu eine solide Bilanzstruktur mit hoher Eigenkapitalquote und geringer Verschuldung vorweisen kann, sollte die Krise deutlich besser überstehen als der Mitbewerb.

"Es hat niemand gedacht, dass wir in so eine tiefe Krise kommen, und jetzt sind natürlich die Unternehmen im Vorteil, die nicht so hoch verschuldet sind" , erklärt Erste-Bank-Analyst Günther Artner. An der Wiener Börse gibt es einige dieser Perlen, die zwar ebenfalls unter den Folgen der größten Wirtschaftskrise seit 1930 leiden, die aber auch davon profitieren könnten. Immer wieder als Beispiele genannt werden dabei der Karton- und Faltschachtelerzeuger Mayr-Melnhof (MMK), der Kran- und Hebesystemeproduzent Palfinger und der Anlagenbauer Andritz.

"Unsere Bilanz hält ein ordentliches Unwetter aus oder auch mehrere" , meint man auch bei MMK selbst, was bei einer Eigenkapitalquote von 64 Prozent, liquiden Mitteln von 345 Millionen Euro (189 Millionen davon in bar) wenig verwunderlich ist.

Marktanteile gewinnen

Zwar bröckeln auch bei Firmen wie MMK und Palfinger die Margen, allerdings bekommen sie dank ihrer finanziellen Solidität auch neues Geschäft, gewinnen also Marktanteile. "Selbst Kunden, bei denen wir bis jetzt nicht drin waren, kommen nun auf uns zu. Wir kriegen dann noch nicht ihr ganzes Geschäft, aber einen großen Teil" , sagt MMK-Vorstandsmitglied Andreas Blaschke. Auch Palfinger gewinne neue Kunden, "die sagen, sie wissen nicht, ob sie woanders in einem Jahr noch Ersatzteile bekommen" , weiß Artner.

Bei konservativ finanzierten Unternehmen handelt es sich oft um Firmen mit einem starken Mehrheitsaktionär, der sich der Mode falsch verstandenen Share-HolderValue-Denkens verweigert hat und damit hohe Boni in Form von Aktienoptionen für das Management, kurzfristige Gewinnmaximierung, hohe Ausschüttungen an die Aktionäre und großteils fremdfinanzierte Akquisitionen vermieden hat. Diese Unternehmen hatten aber auch den Vorteil, keine Übernahmekandidaten zu sein. 

Akquisitionen in der Krise

"Firmen im Streubesitz haben den Nachteil, dass sie leicht Targets werden, wenn sie nicht hoch verschuldet sind" , sagt Artner und nennt Wienerberger als Beispiel. Erklärtes Ziel des Ziegelherstellers für 2009 ist demnach auch die Schaffung von Liquidität und die Reduktion der Nettoverschuldung.

Und während Wienerberger Werke schließen muss, werden finanzstarke Unternehmen die Krise zu Akquisitionen nutzen. Sie müssen sich dazu auch nicht bei den noch vorsichtigen Banken um teure Finanzierungen anstellen oder hoch verzinste Unternehmensanleihen begeben, sondern können sofort zugreifen. "Wir halten unser Pulver trocken, denn Firmen werden nicht teurer, sondern noch billiger", meint Blaschke gelassen. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.3.2009)

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