Augen zu und durch

20. März 2009, 17:18
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Unabsichtlich sind uns dagegen in der vergangenen Woche ein paar unliebsame Verkürzungen passiert

Das ist auch eine Form, einer Krise zu begegnen: einfach ignorieren. Wie das in einer Tageszeitung funktionieren kann, haben wir in der Freitagausgabe der Vorwoche bewiesen. Ganz im Bann eines schreckliche Dinge verheißenden Datums, Freitag der 13., haben wir sozusagen die Flucht nach vorne angetreten – und Freitag, 6. März in die Titelleiste geschrieben. Mit dem Anspruch, eine tagesaktuelle Zeitung zu sein, geht das natürlich nicht zusammen. Wir haben die Zähne zusammengebissen und im Lauf des Abend doch das richtige Datum hingeschrieben.

In der Beschäftigung mit den Fährnissen der Welt und der Suche nach Möglichkeiten, ihnen zu entgehen, finden wir immer wieder eine falsche. Wir haben jüngst über den vom Linzer Jungsozi zum Immobilienhai gewordenen Cevdet Caner geschrieben und sein Erfolgsrezept – die Credit Suisse bangt dank seiner Immobiliengeschäfte um 300 Millionen Euro – so beschrieben: „Den Steuersitz seiner Holding ,Level One‘ verlegte er auf die Kanalinsel New Jersey, in seiner Heimatstadt Linz siedelte er das Controlling an.“ Tatsächlich liegt New Jersey auch am Wasser – Hudson, Delaware-River und Atlantik –, mit dem im Ärmelkanal vor der französischen Küste liegenden Steuerparadies Jersey hat der kleine US-Bundesstaat aber nichts zu tun. Die Auseinandersetzung mit den Kanalinseln Guernsey, Jersey, Herm und Sark kann dabei ja tatsächlich komplexe Fragen aufwerfen; steuer- und staatsrechlich, aber das ist eine andere Geschichte – etwas zu kompliziert, um sie hier auszubreiten.

Der Wille zählt – hoffentlich

Unabsichtlich sind uns dagegen in der vergangenen Woche ein paar unliebsame Verkürzungen passiert. Der Artikel „Bus-Tor zur Welt unter der Brücke“ am Dienstag beispielsweise endete mitten im letzten Satz. So etwas passiert, wenn wir den Interessen der Leserschaft folgend Artikel tauschen – für das Publikum im Westen haben wir uns mit einem Großbrand im Skigebiet Mayerhofen beschäftigt, für die Ostregion eben mit dem Busbahnhof. Erst kommt der eine Artikel ins Blatt, dann der andere – und wenn der andere zu lang ist und keiner bemerkt es, dann werden die letzten Zeilen unsichtbar. Hoffentlich zählt jetzt wenigstens der Wille fürs Werk. Mitunter können wir uns auch auf unsere Computersoftware ausreden: Wenn das Abteilungsprogramm zwischendurch ein unbemerktes Eigenleben entwickelt, kann es ebenfalls vorkommen, dass die letzte Zeile eines Artikels verschwindet. Das sollte nicht geschehen, deshalb arbeiten wir unablässig an der optischen Optimierung unseres Erscheinungsbildes.

Ab und zu geben wir auch mehr, ein „r“ zum Beispiel für Kötschach-Mauthern in einer Grafik über die gemischtsprachigen Gebiete Kärntens. Da wir für die Lösung der Ortstafelfrage nicht zuständig sind, kann man uns in Kötschach-Mauthen hoffentlich verzeihen.

Pikierte Reaktionen hat es dagegen aus Bad Schallerbach gegeben, weil wir dem Kurort ein „r“ genommen und zu Schallabach gemacht haben. Und Gertrud Fussenegger war natürlich in Leonding und nicht in Sankt Leonding daheim, sie hätte den Irrtum wohl als gottgegebenes Redaktionsverhängnis angesehen. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.3.2009)

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