Habgierige Dummköpfe

20. März 2009, 17:36
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Groucho Marx 1929: Alles verloren - nur nicht den Humor

Falten machen beide Marxens. Während das bei Karl Marx die Stirnfalten meint, sind es bei Groucho Marx die Lachfalten. Groucho Marx, 1890 als Julius Henry Marx in New York geboren, wurde gemeinsam mit seinen Brüdern Chico, Harpo (und zu Beginn auch Gummo und Zeppo) im Vaudeville-Theater des frühen 20. Jahrhunderts bekannt, später feierten die Marx Brothers als anarchistische Humorinstitution in Hollywood mit Filmen wie "Duck Soup, A Night At The Opera" oder "Go West" Erfolge und sorgen bis heute für tränenfeuchte Äuglein.

1959 erschien Grouchos autobiografische Textsammlung "Groucho And Me", die in den 1980ern in der Übersetzung von Ursula von Wiese für den Fischer Verlag unter dem esoterischen Titel "Schule des Lächelns" auf Deutsch erschienen ist. Groucho schildert darin auch, wie er beim Börsen-Crash von 1929 alles verloren hatte. Kein Wunder bei solchen Voraussetzungen: "Herr Marx", belehrte ihn ein Makler, "Sie haben in Bezug auf die Börse noch viel zu lernen. Was Sie über Wertpapiere nicht wissen, würde ein Buch füllen."

Anderen erging es nicht besser. "Einige meiner Bekannten verloren Millionen. Ich hatte mehr Glück. Ich verlor nur zweihundertvierzigtausend Dollar. (...) Ich hätte noch mehr verloren, aber das war alles Geld, das ich besaß."

Groucho war klar, warum: "Als die Papiere weiterhin aufwärtsschossen, wurde ich zunehmend unruhig. Mein bisschen Verstand riet mir zu verkaufen. Aber wie alle anderen Dummköpfe war ich habgierig. Es widerstrebte mir, mich von irgendeinem Papier zu trennen, das in ein paar Monaten bestimmt das Doppelte wert sein würde." Oder gar nichts.

Groucho beschreibt die hysterische Gewinngeilheit in der Zeit vor dem Crash. Jeder gab jedem goldene Tipps, mahnende Worte bezüglich des Missverhältnisses der Preise zum eigentlichen Wert der Aktien wurden ignoriert. Einer dieser Tipps kostete Groucho 38.000 Dollar. Seinen Humor hat er dennoch bis über den Tod hinaus gerettet.

Auf seinem Grabstein steht: "Here lies Groucho Marx. And lies and lies and lies. He never kissed an ugly girl." (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.03.2009)

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    foto: sammlung menningen/fischer
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