Geliebte Krise?

20. März 2009, 17:54
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Was die Karriereforschung im Krisenkontext zu sagen hat

KarriereforscherInnen gehen Krisen gelassen an, ja wir lieben sie wohl insgeheim: Sie sind ein, vielleicht sogar der wesentliche Baustein individueller Karrieren. Jeder Karriereübergang ("Transition") hat auch Kennzeichen der Krise. Die persönliche Reifung basiert auf - folgt man etwa Lebenszyklusmodellen wie jenem von Erik Erikson - der erfolgreichen Bewältigung von Krisen. Beides zusammen, Karrieretransitionen und persönliche Reifung, machen individuelle Karrieren wesentlich aus.

Karrieren sind aber immer auch Karrieren im Kontext. Ist dann der Kontext "die Krise", wird es spannend. Wenn die ohnehin krisenhaft angereicherten individuellen Karrieren in einem als „Krise" ausgeflaggten Kontext passieren, dann führt das neben vielen unzweifelhaft negativen Begleiterscheinungen auch zu spannenden Fragestellungen - eine stabilisierende wie auch zynisch anmutende Qualität fundierter Forschung.

Eine kleine Auswahl: Haben die generellen Lektionen auf der Makro-Ebene wie etwa die Notwendigkeit von "slack" ("Puffer", "Überschussressourcen") für den langfristigen Erfolg oder die prinzipielle Nichtsteuerbarkeit größerer Systeme Auswirkungen auf unser Verständnis und das Management von Karrieren?

Was genau sind denn die Dimensionen "der Krise", die Auswirkungen - und: welche? - auf Karrieren und ihr Management haben? Hinterlässt „die Krise" empirisch schon erste Spuren in den Auffassungen von und Ansprüchen an Karrieren? Zeigen bislang verpönte oder als Randerscheinungen abgetane Karrierekonzepte wie z. B. chronische Flexibilität plötzlich einen neuen Weg, der für viele zum Vorbild oder wenigstens zum Ausweg wird? Macht Karriere in der Krise gar Spaß und bietet besondere Optionen für die, die dafür gut gerüstet sind? Solchen und ähnlichen Fragen geht diese Kolumne in den nächsten Wochen nach. (Wolfgang Mayrhofer*, DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.32009)

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