Industrieproduktion fällt weiter, ZEW-Erwartungen besser

20. März 2009, 14:41
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Die Ankündigung der Fed Staatsanleihen und Mortage Backed Securities im Gesamtwert von USD 1,05 Billionen zu kaufen, beflügelte die Börsen in Europa. Der Stoxx konnte diese Woche 2,7% zulegen. Besonders Banken (+14%), Versicherungen (+13%) und Immobilienfirmen (+10%) waren gefragt. Hingegen mussten die Konsumgütersektoren - Haushaltsgüter und Lebensmittel - Abschläge von 3% hinnehmen. Lokal konnten die Leitindizes in Mailand (+6%) und Madrid (+5%) am meisten zulegen. Die implizierte Volatilität am Markt gemessen durch den VDax blieb bei etwa 40 Punkten stabil wie schon lange nicht mehr. Der Baltic Dry Index konnte seinen Aufwärtstrend nicht fortsetzen und schloss unter der 2.000 Punkte Marke. Der Index notiert nun bei 1.795 Punkten (-18%).

Die Industrieproduktion in der Eurozone ist im Jänner um 3,5% im Monatsvergleich weniger stark geschrumpft als erwartet (Konsens: -4%, Dezember: -2,6%). Auf Jahressicht sank die Produktion damit um 17,3%. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1986. Auf Monatssicht waren Investitionsgüter (-6%) und Vorleistungsgüter (-3,6%) besonders hart getroffen. Die Inflation der Eurozone stieg im Februar wie erwartet um 0,4% zum Vormonat und 1,2% zum Vorjahr. Und in Spanien sind die bereinigten Einzelhandelsumsätze im Jänner um 5,4% gefallen (Konsens: -4,5%).

In Großbritannien ist die Zahl der Arbeitslosen im Februar so stark wie noch nie seit der Beginn der Aufzeichnungen gestiegen. Die Arbeitslosenzahl auf Basis der nationalen Definition (Claimant Count) hat sich um 138.400 erhöht. Das ist der größte Anstieg seit 1971. Der Konsens hat einen geringeren Anstieg um 85.000 erwartet. Im Vormonat war die Arbeitslosenzahl schon um revidierte 93.500 geklettert. Die nach der Methode der Internationalen Arbeitsagentur ermittelte Arbeitslosenquote stieg von 6,3% auf 6,5%.

ur noch eine kleine Mehrheit der vom ZEW Institut befragten Analysten und institutionelle Anleger rechnet mit einer schlechteren Wirtschaftslage in den kommenden sechs Monaten. Der ZEW Index verbesserte sich damit auf -3,5 Punkte von -5,8 Zählern im Vormonat - der höchste Stand seit August 2007. Der Konsens hatte im Schnitt mit einem Rückgang auf -7,4 gerechnet. Grund für den gestiegenen Optimismus (bzw. zumindest weniger Pessimismus) sind laut ZEW Institut die EZB-Zinssenkungen und die sinkenden Rohstoffpreise. Die aktuelle Lage wird indes erneut negativer beurteilt: Der Teilindex hat sich von -86,2 auf -89,4 verschlechtert.

Stahlabsatz bricht im Jänner und Februar weiter ein

Thyssen- Krupp reagiert auf die desolate Geschäftsentwicklung. Vorstände müssen gehen und bis zu 3.000 Mitarbeiter sollen als Teil des drastischen Unternehmensumbaus entlassen werden. Die Nachfrage nach Stahl ist in den letzten zwei Monaten weiter drastisch eingebrochen und die konzerneigenen Werften reagieren mit Auftragsstornierungen. Ein Verlust nach Sondereffekten für das Geschäftsjahr mit Ende September wird nicht mehr ausgeschlossen.

Wacker Chemie kürzt seine Dividende um 40%. Mit dem eingesparten Geld will sich der Konzern für härtere Zeiten wappnen. Eine Umsatz- und Ergebnisdelle ist in Sicht. Wacker werde weder beim Umsatz noch beim Ebitda die Vorjahreswerte erreichen und wie stark der Rückgang ausfallen werde, kann noch nicht genau prognostiziert werden. Auch SGL Carbon rechnet mit rückläufigen Umsätzen 2009 und im April wird daher an einigen deutschen Standorten Kurzarbeit eingeführt. Im vergangenen Jahr war der Konzernumsatz mit 17% auf EUR 1,61 Mrd. noch deutlich zweistellig gewachsen. Der operative Gewinn stieg um über 18% auf EUR 305,8 Mio.

Volkswagen will die Produktion in China dieses Jahr trotz der Wirtschaftskrise um 50.000 Autos steigern. Angesichts rund einer Million verkaufter Autos aus lokaler Produktion im Jahr 2008 sei das eine Steigerung um fünf Prozent. Zudem kündigte VW für 2009 ein "Produktfeuerwerk" an. Auf der Shanghaier Automesse im April sollen drei neue Modelle vorgestellt werden, zwei weitere im Laufe des Jahres. China ist für VW in der Krise wichtiger denn je. Das Land soll spätestens 2010 zum größten Absatzmarkt des Konzerns werden. Im Januar hatte China die USA als weltgrößter Automarkt bereits abgelöst und im Februar waren die Verkäufe von Personenwagen überraschend um 24,2% gegenüber dem Vorjahr auf 607.300 Autos angestiegen. Dazu hat beigetragen, dass Peking die Kaufsteuer für Wagen mit Motoren unter 1,6 Litern Hubraum von 10% auf 5% gesenkt hatte.

Heidelberger Zement senkt Schulden deutlich

Heidelberger Zement hat zum Jahresende 2008 seine Nettoverschuldung um EUR 3 auf 11,6 Mrd. gesenkt. Dazu beigetragen haben der Verkauf der Baustoffgruppe maxit für EUR 2,125 Mrd., eine Kapitalerhöhung sowie ein starker Cashflow. Für das laufende Geschäftsjahr geht die Heidelberger von einem Rückgang beim Umsatz und operativen Ergebnis aus. Mit Impulsen aus den weltweiten Konjunkturprogrammen rechnet der Konzern erst ab der zweiten Jahreshälfte. Im vergangenen Jahr kletterten die Erlöse um auf EUR 14,187 Mrd. (+10,9%). Unter dem Strich verdiente man EUR 1,808 Mrd. (-10,5%). Die Dividende für 2008 wird auf EUR 0,12 (Vorjahr: EUR 1,30) gekürzt.

Lindt & Sprüngli rechnet nach einem überraschend hohen Gewinnplus im abgelaufenen Jahr für 2009 mit schwierigeren Zeiten. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen werden sich negativ auf die Arbeitsmärkte und damit auf den Gesamtkonsum auswirken, gab das Unternehmen bekannt. Die langfristigen Ziele dürften deshalb 2009 verfehlt werden. Für 2008 soll die Dividende allerdings wachsen. Im letzten Jahr steigerte Lindt & Sprüngli den Gewinn um 4,4% auf CHF 261,5 Mio. und übertraf die Markterwartungen leicht. Der Umsatz blieb - wie bereits im Januar verkündet - mit CHF 2,9 Mrd. praktisch stabil. Für 2009 erwartet das Unternehmen ein organisches Wachstum von 2- 5% und ein EBIT von CHF 260 - 280 Mio.

Silvio Berlusconis Fernsehgruppe Mediaset hatte 2008 ein schwieriges Geschäftsjahr. Der Gewinn brach um fast 10% auf EUR 459 Mio. ein. Der Umsatz stieg um 4,2% auf EUR 4,25 Mrd. Für das 2. Quartal 2009 wird allerdings eine Erholung des Werbemarktes erwartet. Unicredit wird Staatshilfen beantragen. Wie die Bank bekannt gab, darf sie sich Hilfen über EUR 3,8 Mrd. beschaffen, ohne gegen die EU-Wettbewerbsrichtlinien zu verstoßen. Bis zu EUR 2,7 Mrd. könnten davon aus Wien kommen. Im Gesamtjahr 2008 erreichte UniCredit trotz deutlicher Rückgange im vierten Quartal einen Nettogewinn von EUR 4,01 Mrd. Auch die UBS will ihre Kapitalbasis weiter stärken und will daher eine Kapitalerhöhung von bis zu 10% des zurzeit ausgegebenen Aktienkapitals durchführen. Zu aktuellen Preisen entspricht das etwa CHF 3,4 Mrd. Die CDS Spreads beider Institute sanken diese Woche um über um 50 Basispunkte. Die Aktionäre der HSBC haben indes der Kapitalerhöhung von GBP 13 Mrd. zugestimmt.

Nächste Woche stehen unter anderem die Jahresergebnisse von Metro und Swiss Life auf der Agenda. Besonders gespannt kann man auf die Zahlen zum ersten Quartal der Deutschen Bank am Dienstag sein. Am Mittwoch wird dann der aktuelle Ifo Index veröffentlicht.

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