Bärenstarke Wochenbilanz – monetäres "Vabanque-Spiel" der Fed?

20. März 2009, 14:38
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US -Börsen gehen erneut mit deutlichen Aufschlägen aus der aktuellen Handelswoche. S&P 500 (+4,44%), Dow Jones (+3,22%) und Nasdaq Composite (+4,02 %) schlossen an den letzten 6 von 7 Handelstagen im Plus, ausschlaggebend dafür waren in erster Linie beruhigende Meldungen aus dem Finanzsektor sowie das monetäre Vabanque-Spiel der Federal Reserve. Der Euro klettert auf 1,36, Gold (USD 956/Unze) profitiert ebenso wie Erdöl, das erstmals seit November 2008 wieder über USD 50/Barrel notiert.

Im Kampf gegen die Krise setzt die Federal Reserve nun drastische Maßnahmen. Am Mittwoch kündigte man an, im Laufe der nächsten 6 Monate langlaufende Staatsanleihen im Ausmaß von USD 300 Mrd. sowie hypothekenbesicherte "Wert"papiere (in erster Linie Mortgage Backed Securities) im Volumen von USD 750 Mrd. zu kaufen. So wolle man die Kapitalmarktzinsen senken um die Kreditklemme zu beenden. Der aggressive Schritt impliziert jedoch auch, dass die Fed an eine wesentlich längere und tiefere Rezession glaubt. Finanziert wird die Maßnahme durch eine massive Erhöhung der Geldmenge. Die Bilanzsumme der Federal Reserve wird damit auf rund 3.000 Mrd. ansteigen und hat sich damit seit Mitte 2008 beinahe verdreifacht. Die Gründung einer "Bad Bank" dürfte somit obsolet sein, die Fed hat diese Rolle nun endgültig selbst übernommen. Der Leitzins wurde bei faktisch Null Prozent belassen.

Der ungewöhnliche Fernsehauftritt von Ben Bernanke bei "60 Minutes" sorgte ebenso für Entspannung. Bernanke erwarte das Ende der Rezession noch in 2009. Die gemeldeten Konjunkturdaten malen hingegen weiterhin ein düsteres Bild der US-Wirtschaft. Die Industrieproduktion sank stärker als erwartet, der Empire Manufacturing-Index fiel auf ein Rekordtief. Der Sammelindex der Frühindikatoren fiel im Februar um 0,4%. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren mit 646.000 besser als erwartet, in der Monatsbetrachtung liegen sie jedoch auf dem höchsten Stand seit 26 Jahren. Die Baubeginne überraschten hingegen deutlich positiv. Sie stiegen im Februar um 22,2%.

Banken-CEO’s spenden Hoffnung

Im Blickpunkt standen weiterhin Finanztitel. Nach Citigroup und JPMorgan, gab nun auch die Bank of America bekannt, dass man für 2009 einen Gewinn erwarte. CEO Lewis kündigte in einem Interview an, dass man USD 45 Mrd. an staatlicher Hilfe noch heuer zurückzahlen wolle. Die Bonuszahlung von USD 165 Mio. an das AIG-Management sorgte für Unmut innerhalb der Bevölkerung und bei Präsident Obama. Weitere USD 500 Mio. sollen an Boni und 700 Mio. an Zusatzzahlungen ausgezahlt werden, man prüft nun sämtliche rechtlichen Möglichkeiten um dies zu verhindern. Bislang hat die Regierung rund USD 180 Mrd. in AIG gesteckt, weitere USD 30 Mrd. werden demnächst zugeschossen. Detail am Rande: Erstmals seit Inauguration fielen die Umfragewerte von Präsident Obama.

American Express erklärte, dass der Zahlungsverzug bei Rechnungen, die seit mindestens 30 Tagen fällig sind, auf 5,3% gestiegen ist. Die Ausfallsrate erhöhte sich im Februar auf 8,7% (vs. 8,3% im Jänner). Im gesamten Kreditkartensegment gibt es mittlerweile massive Zahlungsverzögerungen, die Ausfälle stiegen auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Die Kreditlinien wurden seitens der Unternehmen im Q4 um USD 500 Mrd. verringert, für heuer erwartet beispielsweise Meredith Whitney Kürzungen in Höhe von USD 2 Billionen (derzeit beläuft sich das gesamte Volumen auf rund USD 5 Billionen). Dies hätte enorme Auswirkungen auf den US-Konsum, der mehr als 2/3 der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

IBM plant die Übernahme von Sun Microsystems. Eine solche Akquisition würde in erster Linie Hewlett Packard unter Druck bringen. Ein offizielles Angebot wurde noch nicht gelegt, der Kaufpreis wird bei USD 6,5 Mrd. erwartet. Sun-Aktien haussieren um 84%, auch die IBMAktie reagierte positiv auf die Meldung. Cisco gab bekannt, nun auch in den Server-Markt einzusteigen. Als Partner konnte man Intel, Microsoft und Oracle gewinnen. Goldman Sachs zeigte sich von dem Strategieschwenk überzeugt und setzte die Cisco Aktie auf die "Conviction Buy List". Software-Hersteller Adobe meldete Rückgänge bei Umsatz und Gewinn, das um Sonderposten bereinigte Ergebnis überraschte positiv. Auch der Ausblick fiel positiver als erwartet aus. Oracle steigt 13%. Der Gewinn vor Sonderposten fiel mit 35 Cents deutlich höher als erwartet aus. Zudem wolle man erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Dividende ausschütten.

Erholung im Automobilsektor

GM gab bekannt, den Notkredit in Höhe von USD 2 Mrd. nicht sofort zu benötigen. Aufgrund massiver konzernweiter Kostensenkungen habe man wieder etwas finanziellen Spielraum. Der Geschäftsverlauf sei jedoch enttäuschend, man wolle nicht ausschließen weitere Staatshilfen zu benötigen. Automobil-Zulieferer wie Lear Corp oder Visteon profitierten von Aussagen des US-Wirtschaftsministeriums, wonach man die kriselnde Branche mit bis zu USD 5 Mrd. unterstützen wolle. FedEx enttäuschte sowohl mit den Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr, als auch mit dem Ausblick. Einziger Lichtblick war die Ausweitung der Marktanteile. Merck profitierte von einer Aufstufung durch Sanford Bernstein. Die Übernahme des Konkurrenten Schering-Plough werde als positives Signal gewertet. Pfizer steigt nun in den Generika-Markt ein. Mit Hilfe von Lizenzkäufen und Übernahmen wolle man den Geschäftszweig ausbauen. Alcoa meldete einen Kapitalerhöhung sowie ein Einsparungsprogramm in Höhe von USD 1 Mrd. Die Dividende wird von USD 0,17 auf 0,03 gesenkt. Walt Disney hat die Expansion des Themenparks in Hongkong indes auf Eis gelegt, nachdem die Finanzierung weiterhin ungeklärt ist.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir u. a. Zahlen von Tiffany, Best Buy oder auch KB Home. Makroseitig sollten die Immobiliendaten sowie der Uni-Michigan-Index für Impulse sorgen. Die positive Stimmung an der Wall Street sollte wohl noch einige Wochen anhalten. Mehr als eine Bärenmarktrallye im Zuge eines stark überverkauften Marktes sehen wir jedoch nicht, die fundamentale Bewertung des US-Marktes ist alles andere als günstig.

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