Harte Verhandlungen

20. März 2009, 17:43
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Die Kaufkraft lebt, und so übten sich die Besucher der 22. TEFAF kaum in Zurückhaltung - Neu ist der Trend zu härteren Preisverhandlungen

Für den Kunsthandel hat das Zeitalter kleiner Margen begonnen.

Natürliche Auslese, unter diesem Aspekt kann man den leicht rückläufigen Besucherzahlen im Rahmen der am 22. März nun zu Ende gehenden TEFAF (The European Fine Art Fair) nur Positives abgewinnen. Denn Menschenmassen, so befürchtet man (wohl nur) in Maastricht, könnten ernsthafte Käufer abschrecken. Deshalb erhöhte man 2007 auch den Preis für die Tageskarte auf den auch gegenwärtig gültigen Betrag von 55 Euro.

Die Rekordmarke von 84.000 Besuchern im Jahr 2006 sollte keinesfalls über-, sondern künftig klar unterschritten werden. Und dieser Kniff funktionierte (2008: 75.000). Die anfängliche und von der Plage des internationalen Finanzmarktes geschürte Nervosität unter den 239 Ausstellern legte sich schnell, bereits nach dem ersten Messewochenende war die Zahl hochdotierter Verkäufe stattlich. Johnny Van Haeften (London) reichte eine Flusslandschaft von Ryckaert für eine kolportierte Dollarmillion weiter, Konrad Bernheimer (München/London) ließ sich den Trennungsschmerz für das von Rubens gemalte Porträt eines jungen Mannes mit knapp fünf Millionen Euro versüßen. Laurence Graff, Juwelier und Sammler Moderner Kunst, bediente sich bei Van de Weghe Fine Art (New York) und holte sich für 3,5 Millionen Euro einen Basquiat.

Auch im sechsstelligen Bereich und darunter war man erfolgreich: Der Orientfachmann Ben Janssens (London) war schnell um knapp 40 seiner Schützlinge ärmer, bei Charles Ede (London) wechselten elf Objekte innerhalb von zwei Stunden den Besitzer. Viele der hier in den letzten Tagen geführten Gespräche werden sich erst in den kommenden Wochen zu konkreten Abschlüssen entwickeln.

Kunstkammerspezialist Georg Laue (München) verzeichnete einige Verkäufe: Das aus dem Hauer eines Warzenschweins 1520 gefertigte Duftbehältnis (120.000 Euro) – ein vergleichbares befindet sich in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien – geht nach Portugal. Den gleichen Status genießen bei Roman Herzigs Galerie St. Lucs ("für mich lief die Messe besser als 2008!") zwei Landschaftsstücke von Waldmüller, die wahrscheinlich in den USA eine neue Heimat finden werden.

Die Amerikaner haben die Biedermeiermalerei für sich entdeckt: Bei Mark Brady (New York) und Florian Härb (London) schaffte es das herrliche aus der Sammlung von Paul Wittgenstein stammende große Stillleben mit Wildblumen und Pilzen von Franz Xaver Petter gar nicht erst auf europäischen Boden, sondern schmückt bereits ein Anwesen an der Ostküste. An einer kleineren Version gleicher Provenienz für 28.000 Euro fand Gerbert Frodl, ehemaliger Direktor des Belvedere, besonderen Gefallen, nicht nur, aber auch weil er derzeit an einer Publikation zu Blumenmalerei des späten 18. bis frühen 20. Jahrhunderts arbeitet. Johann Kräftner (Liechtenstein Museum) ließ sich zur detaillierten Sondierung eine Abbildung des Selbstporträts von Franz Eybl (9500 Euro) mailen.

Zur Euphorie hätten alle Beteiligten dennoch wenig Grund, betont Thomas Salis, der Markt lebe ebenso wie die Kaufkraft, das ist offensichtlich. Nur, jetzt habe das Zeitalter deutlich kleinerer Margen begonnen. Kunstkäufer nutzen die Schlechtwettersituation des Finanzmarktes für deutlich härtere Verhandlungen als bisher, denen der Kunsthandel nur mit besonders flexibler Preisgestaltung beikommen können wird. (Olga Kronsteiner, ALBUM – DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.03.2009)

  • Das für den TEFAF-Auftritt von Brady (New York) vermarktete prachtvolle Blumenstillleben von Franz Xaver Petter.
    foto: brady

    Das für den TEFAF-Auftritt von Brady (New York) vermarktete prachtvolle Blumenstillleben von Franz Xaver Petter.

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