Unbezahlte Mehrarbeit im Handel weit verbreitet

20. März 2009, 13:04
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AK Steiermark führte Umfrage bei zumeist weiblichen Angestellten durch - Kritik an überzogenen Flexibilitätsanforderungen

Graz - Unbezahlte Mehrarbeit, kurzfristige Dienstplanänderungen, steigender Druck: So sieht nach einer Umfrage der steirischen Arbeiterkammer der Arbeitsalltag vieler Handelangestellter aus. Die Ergebnisse hätten die ohnehin schlimmen Befürchtungen noch "übertroffen", sagte AK-Präsident Walter Rotschädl am Freitag. Die ArbeitnehmerInnenvertreterInnen forderten mehr Kompetenzen für das Arbeitsinspektorat.

Geänderte Dienstpläne

Die Umfrage zeige laut Rotschädl, dass "allzu oft die elementarsten Regeln einer fairen Behandlung von Arbeitnehmerinnen nicht eingehalten werden". So gab etwa jede/r vierte Befragte an, dass sein/ihr Dienstplan von einem Tag auf den anderen geändert wird. Die gesetzliche Frist von 14 Tagen wird bei nicht einmal zehn Prozent eingehalten. Durch die von den zumeist weiblichen Angestellten geforderte Flexibilität leide die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagte AK-Vizepräsidentin und - wie Rotschädl - FSG-Funktionärin Gerda Bacher. Der Druck werde immer größer, Burn Out-Fälle häuften sich.

Mehrarbeit nicht abgegolten

Ein weiterer Kritikpunkt der ArbeitnehmerInnenvertreterInnen ist die mangelhafte Bezahlung von geleisteter Mehrarbeit. So werden bei knapp der Hälfte der Befragten die Voll- und Abschlussarbeiten teilweise nicht vollständig abgegolten. Den Anfang des Vorjahres eingeführte "Mehrarbeitszuschlag" für Teilzeitbeschäftigte in der Höhe von 25 Prozent erhält nicht einmal jede/r zweite ArbeitnehmerIn ausbezahlt. Da rund ein Drittel der Beschäftigten die Regelung überhaupt nicht kannte, kündigte die AK-Spitze eine Informationskampagne an.

Arbeitsinspektorat ausweiten

Angesichts der Ergebnisse sollen die Kompetenzen für das Arbeitsinspektorat erweitert werden, forderte Rotschädl. Dieses sei derzeit im Handel ein "zahnloser Apparat", sagte Bacher. In Zukunft solle es auch Kontrollen hinsichtlich Arbeitszeit und Zuschlagsregelung durchführen können. Dafür sei eine Änderung des Arbeitsinspektoratsgesetz notwendig.

Der Fragebogen wurde an 14.500 steirische Handelsangestellte mit den Schwerpunkten Lebensmittel, Textil und Elektronik geschickt. Von den 2.000 Antwortenden (Rücklaufquote rund 14 Prozent) waren rund 95 Prozent Frauen, rund zwei Drittel arbeiteten Teilzeit. Diese Zahlen spiegeln auch die Realität im steirischen Handel mit seinen 60.000 Angestellten wider, so AK-Vizepräsidentin Gerda Bacher. (APA)

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