Lungenkrebs-Medikament zum Einatmen

22. März 2009, 08:55
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Neuer Therapieansatz soll Heilungschancen verbessern - Deutsche Wissenschafter wollen Krebszellen wieder zu sterblichen Zellen machen

Saarbrücken - Zur Bekämpfung von Lungenkrebs entwickeln Wissenschafter aus Saarbrücken und Stuttgart derzeit inhalierbare Substanzen, die eingeatmet das Enzym Telomerase hemmen sollen. Dieses Protein ist vorwiegend in Krebszellen aktiv und verhindert, dass die bösartigen Zellen altern und absterben. Die Forscher erhoffen sich davon deutlich bessere Heilungschancen.

Allein in Deutschland sterben allem medizinischen Fortschritt zum Trotz jedes Jahr rund 40.000 Menschen an einem Bronchialkarzinom. "Die Heilungschancen haben sich trotz verbesserter Operationstechniken, Strahlen- und Chemotherapie nicht grundlegend erhöht", beklagt Claus-Michael Lehr vom Institut für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie an der Universität des Saarlandes.

Angriffspunkt Telomerase

In gesunden Zellen ist der Alterungsprozess ein Mechanismus der biologischen Uhr. In bösartigen Tumoren hingegen sorgt das Enzym Telomerase dafür, dass sich die Tumorzellen immer weiter teilen und somit quasi unsterblich werden. Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen die Wissenschafter nun mit einem neuen Wirkstoff die Aktivität der Telomerase in Lungenkrebszellen abschalten und die bösartigen Zellen so wieder zu sterblichen Zellen machen.

Wirkung vor Ort

Um den empfindlichen Wirkstoff unbeschadet und möglichst direkt in die Krebszellen zu bekommen, koppeln die Forscher ihn an kleinste Partikel aus biologisch abbaubaren Materialien. Dadurch werde die Substanz stabilisiert, so dass sie intakt in die Zelle aufgenommen werden könne, erklärt Lehr. Außerdem lasse sie sich in feinsten Tröpfchen vernebeln, die dann vom Patienten inhaliert werden könnten. Dank dieser lokalen Behandlung sei die Wirksamkeit am Wirkort - der Lunge - erhöht, betont der Professor.

Im Labor wurde die neue Methode nach Angaben Lehrs bereits erfolgreich getestet. Nun sollen Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens in weiteren Untersuchungen bestätigt werden. Neben der Universität des Saarlandes sind auch noch das Institut für klinische Pharmakologie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart sowie die Klinik Schillerhöhe in Gerlingen an dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekt beteiligt. (APA/AP)

 

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