Strengere Altersfreigabe für PC-Spiele sinnvoll

20. März 2009, 08:54
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Statt Verbote lernen Online-Spieler in der Mainzer Ambulanz für Spielsucht einen vernünftigen Umgang mit dem Computer

Mainz - Auch wer seine Zeit mit gewalttätigen Computerspielen verbringt, wird nach Expertenmeinung noch lange nicht zum Amokläufer. "Man kann es in der Breite sicher nicht sagen, dass das Spielen von 'Counterstrike' (PC-Spiel) das Risiko von Amokläufen erhöht", sagte Manfred E. Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik in Mainz, am Donnerstag beim Jahreskongress für Psychosomatik in Mainz.

Strengere Altersgrenzen

Statt PC-Spiele zu verbieten sei eine strengere Altersfreigabe für manche Spiele mit Suchtpotenzial sinnvoll, betonte Beutel. Dort war vor einem Jahr eine Ambulanz für Spielsucht - insbesondere Computerspielsucht - eingerichtet worden.

Seitdem haben mehr als 300 Betroffene und Angehörige den Rat der Fachleute gesucht. "Das Gros der Patienten sind Online-Spieler", sagte der Leiter der Ambulanz, Diplompsychologe Klaus Wölfling. Auch er sprach sich für strengere Altersgrenzen für Spiele mit Suchtpotenzial aus. Das Online-Spiel "World of Warcraft" sei beispielsweise für Zwölfjährige freigegeben. "Mit zwölf Jahren sind Kinder noch nicht so steuerungsfähig, davon zu lassen", erklärte er. In Mainz erhalten Süchtige, fast überwiegend männliche Jugendliche, sechs Monate lang eine Gruppentherapie. Dabei sollen sie einen vernünftigen Umgang mit dem Computer lernen.

Alltag von Spielsucht dominiert

In Deutschland habe in diesem Jahr der Computer den Fernseher im Kinderzimmer erstmals zahlenmäßig überholt, berichtete Klinikdirektor Beutel. Die meisten Jugendlichen hätten Zugang zum Internet und damit zu Online-Spielen. Ein Anzeichen für Computerspielsucht sei, wenn das PC-Spiel extrem den Alltag dominiere und Partner, Beruf oder Essen nebensächlich würden. "Es wird die ganze Nacht durchgespielt oder der ganze Tag", erklärte Beutel. Nach den bisherigen Erfahrungen und Untersuchungen müsse Computerspielsucht als eigenständiges Krankheitsbild eingestuft werden. (APA/dpa)

 

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