Hacker torpedieren flauen Wahlkampf

20. März 2009, 08:41
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Auch Kirche griff in Kampagne ein - Urnengang am Samstag

Bratislava/Wien - Der Präsidentschaftswahlkampf in der Slowakei war nach Ansicht von Politologen eher flau. Etwas Farbe brachten dafür Hacker ein, die sich auf den Internetseiten der Kandidaten austobten. Das sorgte für mehr Diskussionen als die sieben Bewerber für sich. Die Kampagne selbst werde das Ergebnis des Urnengangs am kommenden Samstag kaum beeinflussen, meinen Experten.

Die Internetpiraten nahmen sich die Homepages von Amtsinhaber Ivan Gasparovic, seiner christlichliberalen Herausforderin Iveta Radicova sowie die der liberalen Kandidatin Zuzana Martinakova vor. Auf Gasparovics Website hinterließen sie den Eintrag: die Hauptgründe für seinen Wiederantritt seien "das hohe Gehalt" sowie der "Widerwille, in Pension zu gehen". Außerdem verhöhnten sie den Staatspräsidenten als "Marionette" von Premier Robert Fico, der Gasparovic im Wahlkampf tatsächlich kräftigt unterstützt hatte.

Auf dem Internetauftritt der Mitte-Rechts-Kandidatin Radicova deponierten die Hacker, dass sie nur für das Präsidentenamt kandidiere, weil der Ex-Premier und Chef der christlichsozialen SDKU, Mikulas Dzurinda, die populäre Politikerin aus der Partei drängen wollte. "Jeder slowakische Bürger ist sich der Tatsache bewusst, dass der Präsident nur eine machtlose Puppe ist. Die Frage, warum ich mich um den Posten bewerbe... Einer der wichtigsten Gründe ist, dass Mikulas Dzurinda Konkurrenten vor der Parteiwahl loswerden muss", war da zu lesen.

Tagelang stand auf der Homepage von Martinakova fälschlicherweise, sie habe ihre Kandidatur zurückgezogen. Die Liberale, der kaum Chancen gegeben werden, fand dies gar nicht lustig. Sie erwog rechtliche Schritte gegen die Hacker. Die anderen Betroffenen setzten hingegen Maßnahmen zur Erhöhung der Internet-Sicherheit, um weitere Eingriffe der Computer-Witzbolde zu verhindern.

Eingegriffen in den slowakischen Präsidentschaftswahlkampf hat außerdem die Kirche. Würdenträger kritisierten Radicova als "zu liberal" und für "Katholiken nicht wählbar". Besonders, dass die Soziologin sich nicht strikt gegen Abtreibungen gestellt hat und mit ihrem neuen Lebenspartner im "Konkubinat" lebt, missfällt ihnen. Bischöfe setzten sich dafür offen für den christlichkonservativen Kandidaten Frantisek Miklosko ein.

Bei der Wahl am Samstag ist Gasparovic Umfragen zufolge der Favorit. Da ein Kandidat in der Slowakei im ersten Wahlgang allerdings die Mehrheit aller rund vier Millionen Wahlberechtigten und nicht der abgegebenen Stimmen gewinnen muss, gilt eine Stichwahl als wahrscheinlich. Dort wird Gasparovic vermutlich Iveta Radicova gegenüberstehen. Geringe Chancen haben aber auch die liberale Martinakova und der konservative Miklosko. Die übrigen Kandidaten - ein Politiker, der von der Partei des umstrittenen Ex-Premiers Vladimir Meciar unterstützt wird und zwei Kommunisten - sind dagegen völlig aussichtslos. (Von Alexandra Demcisin/APA)

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