Positive Reaktionen auf Obama im Iran

20. März 2009, 18:41
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Freude über Gesprächsangebot: In Internetforen forderten Tausende die Politiker auf, mit den USA Kontakt aufzunehmen

 Während ihre Führung schwieg, waren die iranischen Bürger hocherfreut über das offizielle Gesprächsangebot Barack Obamas. In Internetforen forderten Tausende die Politiker auf, mit den USA Kontakt aufzunehmen.

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Barack Obamas Gesprächsangebot an das persische Volk anlässlich des iranischen Neujahrsfestes löste eine Welle der Begeisterung aus. Obwohl wegen der Ferien keine Zeitungen im Iran erschienen und Radio wie Fernsehen die Rede Obamas auch in ihren Nachrichtensendungen nicht berücksichtigten, wurde dessen Botschaft von persischen Radio- und TV-Stationen, die aus dem Ausland senden, in voller Länge wiedergegeben.

In den traditionellen Neujahrsgrüßen des religiösen Führers Ali Khamenei und des Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad wurde die Rede mit keiner Silbe erwähnt. Aber via Internet gaben viele Iraner ihre Begeisterung wieder. In ihren Kommentaren wurden die Machthaber aufgefordert, positiv auf das Angebot Obamas zu reagieren. Mit den ersten offiziellen Reaktionen allerdings ist frühestens in drei Tagen bei einer angekündigten Rede des religiösen Führers zu rechnen.

In den vergangenen Tagen haben liberale Zeitungen im Vorfeld der Präsidentenwahl die Kandidaten aufgefordert, ihre Außenpolitik, sprich die zukünftigen Beziehungen zu den USA, für die Wähler klar zu definieren. Eine Annäherung an die USA allerdings stößt bei einflussreichen Konservativen auf großen Widerstand, da die Feindschaft mit dem "großen Satan", wie die USA bei den Konservativen bezeichnet werden, als ein Grundpfeiler der Islamischen Republik dargestellt wurde. An diesem Pfeiler zu rütteln fällt den Konservativen sehr schwer. Die Neuordnung der Beziehungen zu den USA wird deswegen bis jetzt von den Kandidaten beider Lager ausgeklammert.

Obamas Ansprache kreiste um Begriffe wie gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit, Vertrauen und Neubeginn. "Seit nahezu drei Jahrzehnten sind die Beziehungen zwischen unseren Nationen gespannt", sagte der US-Präsident. "An diesem Feiertag erinnern wir uns aber der Menschlichkeit, die uns verbindet." Obama sprach von "ernsten Meinungsverschiedenheiten, die über die Zeit gewachsen" seien. Was er nun aber anstrebe, sei "eine Zukunft mit erneuertem Austausch zwischen unseren Völkern". Das Weiße Haus verbreitete Obamas Rede im Internet und an TV-Sender im Nahen Osten.

In Inhalt und Stil der persisch untertitelten Rede vollzog Obama eine klare Abkehr von der Feindseligkeit, welche den Kurs seines Vorgängers George W. Bush gegenüber dem Iran geprägt hatte. Der Iran-Experte Hossein Heirani-Moghaddam von der Australian National University in Canberra erklärte, der Präsident habe damit genau den richtigen Ton getroffen. "Das ist es, was die Iraner hören wollen", sagt er. "Das ist ein erster Gesprächskanal zwischen den beiden Nationen. Es ist in jeder Hinsicht ziemlich positiv."

Zu den Sätzen Obamas, die in Teheran besonders aufmerksam registriert werden, dürfte dieser zählen: "Die USA wollen, dass die Islamische Republik Iran ihren rechtmäßigen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnimmt." Obama kommt damit Irans Anspruch auf internationale Geltung entgegen. Indem er den Iran mit dessen amtlichen Staatsnamen als "Islamische Republik" tituliert, erkennt er implizit auch die gegenwärtige Staatsform an. Von einem Regimewechsel, wie Bush ihn propagiert hatte, ist keine Rede mehr. Damit bahnt Obama auch eine Lösung des Atomstreits an. Denn auf Nuklearwaffen würde Teheran wohl nur dann verzichten, wenn es keinen Umsturz mehr fürchtet.

"Sie haben die Wahl" Die USA, sagt Obama weiter, hätten sich für einen friedlichen Dialog mit dem Iran entschieden. "Auch Sie haben eine Wahl", sagt er an die Teheraner Führung gerichtet. Der Iran könne seine Stellung in der Welt "nicht durch Terror oder Rüstung erreichen, sondern durch friedvolles Handeln". "Der Iran hat eine Schlüsselstellung in Obamas härtesten außenpolitischen Problemfeldern", urteilte indes der Rüstungsexperte Joe Ciricione vom Ploughshares Fund in Washington. "Diese Probleme sind miteinander verknüpft, und Obama versteht das." (Amir Loghmany aus Teheran/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.3.2009)

  • Szenen eines Konfliktes: Obamas Angebot, Antiamerikanismus in Teheran,
George Bushs "Axis of evil"-Rede und der Sturm auf die US-Botschaft in
Teheran 1979.
    collage: druml

    Szenen eines Konfliktes: Obamas Angebot, Antiamerikanismus in Teheran, George Bushs "Axis of evil"-Rede und der Sturm auf die US-Botschaft in Teheran 1979.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Präsident in seiner Neujahrsansprache an den Iran: Barack Obama.

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