"Wenigstens die Höchststrafe musste es sein"

19. März 2009, 19:41
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Berlin - In ersten Kommentaren analysierten deutsche Zeitungen am Donnerstagabend das Urteil im Prozess um den Inzest-Fall von Amstetten, das am Nachmittag gegen den 73-jährigen Josef F. gefällt worden war. Während sich die "Berliner Zeitung" vor allem kritisch mit dem Schuldspruch wegen Mordes auseinandersetzte, analysierte die "Frankfurter Rundschau" den Fall an sich.

"Berliner Zeitung": "Wenigstens die Höchststrafe musste es sein. Und da sie nur auf Mord steht, musste Josef F. wegen Mordes verurteilt werden. Die Tatsachen passten schlecht dazu. Der Tod des neugeborenen Sohnes (...) trat nicht als Folge von F.'s Allmachtsfantasie ein, sondern, weil er eben doch nicht die ganze Welt kontrollieren konnte. Das Gericht hat den verstörenden Widerspruch einfach weggebügelt. Den Weg dazu gewiesen hat der Täter: Er hat sich zu dem Mord bekannt, ihn aber nicht wirklich gestanden. Die Richter, die Geschworenen, die Staatsanwältin, sogar der Verteidiger: Sie alle haben sich erleichtert auf das Angebot des Täters eingelassen. So wurde Josef F. zum letzten Mal Herr des Geschehens."

"Frankfurter Rundschau": "Das fatale Desinteresse an weiterer Aufklärung entspricht haargenau unserem Umgang mit dem Fall: Allein schon die allerorten zu hörende wie zu lesende Beschwörung des Monströsen sollte vor allem eines - den lange Zeit als unbescholtener Kleinbürger in unserer Mitte lebenden Josef F. aus eben dieser Mitte verbannen. Offenbar aber ermöglicht die kulturelle Ordnung, die man damit zu verteidigen vorgibt, eben auch eine solch haltlose, zumal bigotte Existenz wie die seine." (APA/AFP)

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