Mädchen oder Bub? Mama entscheidet!

19. März 2009, 20:01
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Bei einer Prachtfinkenart bestimmen die Weibchen das Geschlecht des Nachwuchses

Washington - Kürzlich erst erregte eine kalifornische Klinik erhebliches Aufsehen, weil sie Eltern anbot, sich sowohl das Geschlecht wie auch die Augen-, Haut- und Haarfarbe der Kinder aussuchen zu können. Nach heftigen Protesten nahm die Klinkleitung ihr Angebot der Erzeugung von Designerbabys durch In-vitro-Fertilisation (IVF) bis auf Weiteres wieder zurück.

Bei den Gouldamadinen, einer in Australien beheimateten Prachtfinkenart, wird etwas Ähnliches von den Weibchen auf natürliche Weise praktiziert: Sie bestimmen zwar nur das Geschlecht ihres Nachwuchses, sie tun das aber anhand der Färbung ihrer potenziellen Sexualpartner.

Gouldamadinen - benannt nach dem Ehepaar Gould, das die Vögel entdeckte und Charles Darwin seinerzeit ornithologisch auf die Sprünge half - haben entweder rot oder schwarz gefärbte Köpfchen. Im Normalfall bemühen sich die Weibchen, ein gleich gefärbtes und damit genetisch gut kompatibles Männchen zu finden. Mit dem zeugen sie dann Jungvögel, deren Geschlechterverhältnis im Durchschnitt 50:50 beträgt.

Wenn Männchen der richtigen Färbung (und entsprechend guter genetischer Kompatibilität) allerdings nicht vorhanden sind, dann produzieren die Weibchen viel mehr männlichen Nachwuchs, wie Sarah R. Pryke und Simon C. Griffith von der Universität Sidney im US-Fachblatt Science (Bd. 323, S. 1605) berichten. Damit werde verhindert, dass ihre Töchter weiteren Nachwuchs mit "suboptimalen Genen" haben.

Herausgefunden haben die Forscherinnen diese erstaunliche Fähigkeit durch einen einfachen Trick: Sie färbten rotköpfige Männchen schwarz ein und paarten sie dann sowohl mit rot- wie auch mit schwarzköpfigen Weibchen. Dabei zeigte sich, dass sich die weiblichen Tiere durch die Umfärbung täuschen ließen und das Geschlecht des Nachwuchses entsprechend "abänderten": Trotz genetischer Kompatibilität produzierten die rotköpfigen Weibchen mit den nur schwarz eingefärbten, aber eigentlich rotköpfigen Männchen nämlich sehr viel mehr männliche Jungvögel, nämlich 71 Prozent. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2008)

  • Weibliche Gouldamadine (unten) bei der Partner-wahl: Die Färbung des Männchens bestimmt mit, welches Geschlecht die Jungvögel haben werden.
    foto: sarah pryke

    Weibliche Gouldamadine (unten) bei der Partner-wahl: Die Färbung des Männchens bestimmt mit, welches Geschlecht die Jungvögel haben werden.

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