KAC und Salzburg, zwei wie Tag und Nacht

19. März 2009, 19:09
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Ab Sonntag steigt das Eishockey-Finale - Salzburg ist zwar Titelverteidiger, auf den Status des KAC fehlt aber viel

Teamkapitän Dieter Kalt kennt beide Klubs, der Vergleich fällt ihm schwer.

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Klagenfurt/Salzburg - Wer auch immer das Finale der Erste Bank Eishockey Liga verliert, er wird eine Erklärung haben - Dieter Kalt war nicht an Bord. Für die Salzburger, die am Sonntag (18 Uhr, Premiere Austria) im ersten von maximal sieben Spielen in Klagenfurt gastieren, wär's insofern bitter, als sie Kalt erst Ende Jänner ziehen ließen, er hatte sich mit Trainer Pierre Page überworfen. Der Kärntner Kalt gilt als Titellieferant, achtmal war er schon Meister - je zweimal mit dem KAC und Salzburg sowie einmal mit den Vienna Capitals in Österreich, zweimal mit Mannheim in Deutschland, einmal mit Färjestad in Schweden. Heuer hat's nicht geklappt, weil er kürzlich mit Lulea im schwedischen Viertelfinale scheiterte. Vielleicht auch, weil er Salzburg den Rücken kehrte. Man wird sehen.

"Unmöglich vergleichen", sagt Kalt, könne man Salzburg und den KAC. Zwei völlig verschiedene Vereine, zwei unterschiedliche Konzepte. "In Klagenfurt ist Eishockey sehr wichtig. Der KAC hat lange Tradition, hat immer von Eigenbauspielern gelebt. Das hat sich vielleicht zuletzt ein wenig verändert." Viele Klagenfurter spielen bei anderen Klubs, etliche auch in Salzburg, allen voran Daniel Welser und Thomas Koch.

Salzburg? "Erst seit einigen Jahren auf höchstem Niveau" , sagt Kalt. "Eine zusammengewürfelte Truppe mit einem sehr starken Kern guter, junger Österreicher. Dieser Kern strahlt Energie aus, reißt die anderen mit." Laut Kalt waren es in der Liga im Finale oft die Österreicher, die für entscheidende Tore sorgten. Er traue sich aber nicht, einen Tipp abzugeben, schließlich erwarte er "eine sehr ausgeglichene Partie".

Konstanz und Finish

Über die Saison gesehen, sagt Kalt, den es dem Vernehmen nach zum KAC zurückzieht, habe der KAC die konstantere Leistung gezeigt. Doch wieder einmal komme Red Bull Salzburg im Finish in Schwung. Die Salzburger gehen auf den Titel-Hattrick los, sie müssen freilich zumindest einmal auswärts gewinnen, in einem siebenten Match hätte der KAC, der den Grunddurchgang gewann, Heimvorteil. "In Klagenfurt gab's für Salzburg nicht viel zu holen" , sagt Kalt und verweist auf vier KAC-Siege gegenüber zwei Salzburg-Erfolgen im Grunddurchgang. Aber er sagt auch, "dass das nichts heißen muss" . Zu frisch ist bei ihm die Erinnerung ans schwedische Viertelfinale, in dem er mit Lulea mit 1:4-Siegen an Frölunda scheiterte. Im Grunddurchgang war's umgekehrt gewesen, hatte Lulea vier der fünf Partien gegen Frölunda gewonnen.

Im Playoff lassen sich die Spieler Bärte wachsen, und sie rasieren sich erst, wenn sie gescheitert oder Meister sind. Eigene Gesetze hat es auch, das Playoff. Der KAC und Salzburg sind sich witzigerweise selten über den Weg gelaufen. Ein Finalduell gab's gar noch nie und auch nur ein einziges Semifinale - in der Ära vor Mateschitz. 1978 blieb der KAC gegen den Salzburger EC erfolgreich, der als Dritter aber seine beste Platzierung erreichte.

Ein Hattrick, wie ihn die Mateschitz-Truppe nun anstrebt, gelang zuletzt der legendären VEU Feldkirch, die zwischen 1994 und '98 fünf Titel en suite holte. Insgesamt aber stehen zwei Red-Bull-Titeln 28 Erfolge des Rekordmeisters gegenüber. Der bis dato letzte KAC-Titel datiert aus 2004, damals war RB Salzburg noch zweitklassig und stieg als Sieger der Nationalliga in die Erste Bank Liga auf. Dann ging es sozusagen puckizucki. (Fritz Neumann/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2009)

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    Der KAC und Salzburg sind sich witzigerweise selten über den Weg gelaufen. Im Dezember 2006 begegnete jedoch Salzburgs Patrick Harand Warren Norris vom KAC.

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    Dieter Kalt (34) ist achtfacher Meister.

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