Gott kam nur bis Fischamend

19. März 2009, 17:48
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"Der Bockerer" im Volksheim Fischamend

Fischamend - März: Für Eingeweihte ist das jener Monat, in dem die Fischamender Spielleut' mit ihrer jüngsten Theaterproduktion an die Öffentlichkeit treten. Nur ein Stück pro Saison, denn die Laien haben sich zu einem Probenaufwand entschlossen, wie ihn weiland, unter Peter Stein und Klaus-Michael Grüber, nur die Berliner Schaubühne pflegte: Neun Monate Probenzeit erfordert der Wunsch nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Text. Entsprechend nuanciert präsentiert sich die Darbietung.

Das Fehlen jener falschen Töne, die selbst auf den größten Bühnen der Hauptstadt Texte ihres Lebens berauben, ist das eigentliche Wunder von Fischamend. Sogar leise Passagen, anspruchsvolle Dramen wie Ödon von Horváths "Geschichten aus dem Wienerwald" erklingen an kaum einem Theater des Landes eindringlicher und wahrhaftiger als im Volksheim Fischamend.

Das dürfte dem feinen Ohr jenes Mannes zu danken sein, der die Gruppe vor zwölf Jahren mitbegründete und seither Regie führt: Franz Herzog. Der gebürtige Berndorfer arbeitete als Schauspieler auf der Bühne und in TV-Produktionen lange in Deutschland, bevor er sich nach Niederösterreich zurückzog. Dort war es mitnichten die Gründung einer Schauspielgruppe, die ihn bewegte - sondern eine drohende Sondermülldeponie in Enzersdorf. Eine Bürgerinitiative entstand, die Sondermülldeponie wurde verhindert - und eher nebenbei mit Mitgliedern der BI ein Stück geprobt: Nestroys "Der Talisman".

Am morgigen Samstag hat im Volksheim "Der Bockerer" Premiere. Noch ist die Bühne ein Geheimtipp, auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll fand bisher nicht nach Fischamend. Ein Fehler, denn die mit kläglichen 5000 Euro aus der Landeskasse subventionierten Produktionen brauchen den Vergleich mit den Sommerfestivals am Semmering nicht zu scheuen. Im Gegenteil. (Cornelia Niedermeier, DER STANDARD/Printausgabe, 20.03.3009)

 

"Der Bockerer" , Volksheim Fischamend, Vorstellungen am 21./27./28. 3. u. 3./4./17./18. 4. um 20.00, 22./29. 3. u. 5. 4. um 17.00. Karten: 0664/412 46 60 (abends); reservierung@fischamenderspielleut.at

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