Hungrig in der Großraum-Sauna

31. März 2009, 15:52

Zwischen Hühnerbrust Hawai, Kabeljau und Spargel im März: Katharina Schell sucht Tiroler Küche in Seefeld und Umgebung

Tirol also, genauer gesagt: Seefeld. Man will halt die weltberühmten Loipen dort auch einmal erfahren. Die sind schön, und steil, und alles ist so anstrengend, dass man sich am Abend unbedingt den Bauch vollschlagen muss.

Vorspiel und Stretchlimo

Seefeld hat ja einiges zu bieten, eines der vielen schmucken Hotels wirbt etwa mit einer "Großraum-Sauna", das Lokal neben dem Casino heißt "Vorspiel", die deutschen Touristen in der Fuzo diskutieren Jagatee versus Skiwasser, und die Pasteria vor Ort bietet gefüllte Hühnerbrust Hawai mit einem i. Ohne jetzt zu sehr ins Skiort-Bashing abzugleiten, aber schockierend ist das alles schon. Irgendwo hier gibt es sicher ein Gasthaus mit guter, kräftiger Tiroler Küche, aber wie finden?

Der Berghof, das einzig wirklich schmucke Hotel am Platz (zum Glück mit Kleinraum-Sauna), verweist auf seinen "Partner", den Meilerhof in Reith. Dort, so verrät uns dessen Homepage, gibt es Rinderwahn auf Österreichisch (Gesottenes mit der obligatorischen Suppe, Apfelkren etc.) oder aber steakwise. Nicht unbedingt urtirolerisch, und außerdem bietet man dort noch einen Stretchlimo-Service an, was uns schon wieder ein wenig beklommen macht; trotzdem brechen wir auf nach Reith, und das ist kein Fehler.

Sitzwohl ohne Zirbe

Die Ribeye-Steaks kommen mit Folienerdapfel und Kräuterbutter, und sie können ja nichts dafür, dass sie nicht so lange leben und abhängen durften wie ihre amerikanischen Kollegen und deshalb nicht ganz so zart auf der Zunge zergehen. Für österreichische Verhältnisse aber serviert das freundliche Team im Meilerhof den ausgezehrten Langläufern an diesem Abend eine wunderbare und wohlschmeckende Protein-Dosis.

Abendessen Nummer zwei führt uns nach Innsbruck. Nicht ins Pavillon, offenbar erste Adresse der Landeshauptstadt - so erste jedenfalls, dass sie "restlos ausgebucht" ist, wie uns Küchenchef Mansur Memarian bedauernd am Telefon mitteilt. Also lenken wir unsere knieweichen Schritte gen Sitzwohl. Dieses Lokal im Stadtforum, so raunt es landauf, landab, sei kühl, fast schon unterkühlt, gestaltet, kaum eine Besprechung kommt ohne einen Hinweis auf das Ambiente aus. Ein Abend ohne Zirbe? Nichts wie hin.

Jakobsmuschel und verlorenes Rind

Das Restaurant ist auch wirklich schick, und ja, cool auf eine gemütliche Art. Souveränes Service und fast souveräne Küche, wenngleich der knusprige Kabeljau Anfang März nicht wirklich Spargel als Begleitung bräuchte und die Brunnenkressesuppe trotz geräucherter Gänsebrust ein wenig mehr Pepp vertragen könnte. Ganz gut machen sich Jakobsmuschel mit Perlhuhn in einer lakritzigen Sauce, das Rind mit toskanischen (tomatigen) Bohnen dagegen wirkt irgendwie verloren. Das Mandel-Amaretto-Parfait mit Marzipan Baiser war gut und sehr, sehr süß.

Nett, dass das Sitzwohl einen Stock unter dem Restaurant noch mit einer Bar aufwartet. Allein, 16 Prozent Steigung nach Seefeld wollen - mit dem Auto, wohlgemerkt - nüchtern bewältigt werden.

Tiroler Strandperle

Den letzten Abend in Seefeld rettet dann noch die Strandperle, eine tirolerische Variante der Mole West: Nicht ganz so das Gourmet-Lokal, das man sein will, aber ein sympathischer Abhäng-Platz mit Schnitzel, Risotto und Seafood.

Wo sind Plenten und Gröschtl, bitte?

So war das in Tirol. Gut gegessen, schön gewohnt. Aber wo sind die regionalen Gustostückerln, wo die Speckknödl, die Plenten, das Gröschtl, die Nudeln, alles angeblich weltberühmt? Aufgedrängt haben sie sich uns nicht. Dabei hat's dort doch grad ein Jubiläumsjahr.

Wir sagen: Manda, s'isch bald wieder Zeit! Aber für das nächste Mal - die Loipen sind nämlich wirklich sehr schön - freuen wir uns über Hinweise abseits von Jagatee Hawai.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
21 Postings

Leberkas Hawaii... Gerhard Polts lukullischer Breitschlag :D

tiroler küche - besonders gut im wilden mann in lans oder in den meisten gasthäusern :)!
pavillon ist wesendlich besser als sitzwohl! sitzwohl ist nicht gut und für nicht gut zu teuer...

im 6. bezirk in wien gibts ein tiroler gasthaus, das recht authentisch sein soll...

das müsste eig...

... der Sandwirt sein.
info: http://www.dinnersearch.at/restauran... w/id/89341

da gibts ja die Marke "Tiroler Wirtshaus" (http://www.tiroler-wirtshaus.at) dachte eig., dass "Der Sandwirt" das einzige Restaurant, außerhalb Tirols, wär mit dieser "Auszeichnung" aber hab dazu nichts gefunden (glaub aber es hängt an der Tür...)

nein, der andreas hofer (kein witz!), bei der st aegidius-kirche.
der sandwirt ist ein grindbeisl mit "sauf dich reich"-plakaten (zu hartem alkohol gibts ein gratis-brieflos). bitte, vielleicht ist das ja authentisch tirolerisch, mich kriegt da keiner rein.

echt?

..kann schon sein.. war selber noch nie drin :)

allerdings muss ich zugeben, dass es von außen nicht wirklich einladen gewirkt hat.. heißt sie könnte recht haben *g*

hmmmm buzihuette, das beste tiroler lokal fuer hausmannskost

Jaa, es geht nichts über die Eiterbeule! ;-))

großraumsauna

ist das dort, wo man in den aufgußkübel reihert?

Hühnerbrust Hawai(i) gibt´s immer noch? :-0
Das zu lesen weckt fast schon nette Erinnerungen an Kindheitsurlaube in den 70ern...

Cooles Foto auf der Startseite!

Männer-Möpse!

Schauen so aus, wie das was sie essen - Schweinsbraten!

Nein, nein, nein!

Ich esse auch Schweinsbraten, habe aber keine Körbchengröße! ;-)

Warten's nur, das kommt noch...

... mit zunehmendem Alter!
(C;

ich weiß,..

aber so jung bin ich auch nicht mehr und mit 50 ist es mir wahrscheinlich noch mehr wurscht wie ich aussehe als jetzt schon. Wird ohnehin überbewertet, sowohl bei Männlein wie bei Weiblein und dann quält man sich ab um irgendwelchen vorgegebenen Idealen zu entsprechen und vergißt dabei, daß Leben zu genießen.
Aber Witze darüber zu reißen ist schon lustig! ;-)

Wenn man Gröschtl, Speckknödel etc. will, sollte man nicht unbedingt ins Pavillion oder Sitzwohl (haben die mittlerweile genügend Biergläser?)gehen- man geht ja auch nicht zum Griechen wenn man Lust auf Peking-Ente hat.

Frau Schell sei ein Ausflug zur Buzihütte empfohlen, wenn sie unbedingt Tiroler Hausmannskost will.

....oder eine Eiterbeule

also ich hab auf der putzi hütte neulich eine eiter beule verzehrt

und ich muss leider sagen dass das fett nicht gut war, in dem sie sie herausgebraten haben. ist mir auch schwer im magen gelegen und dabei ess ich sonst auch immer wieder schwer....

ich kenne das restaurant meilerhof in reith bei seefeld. das essen ist bei dieser fabelhaften aussicht übers inntal nur nebensache! traumhaft schön..

war mal mittags dort

nicht berauschend, und wegen der aussicht naja wenns meinen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.