Medici hängt Banklizenz an den Nagel

19. März 2009, 16:13
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Die in den Madoff-Strudel geratene Bank wird in Kürze aufhören, als Bank zu existieren – Ex-Börsenchef Zapotocky ohne Finanzdienstleister-Lizenz

Wien - Die Wiener Bank Medici von Sonja Kohn (75 Prozent minus einer Aktie) und Bank Austria, die etwa via Herald Fund 3,2 Mrd. Euro an Kundengeldern an den mutmaßlichen US-Betrüger Bernard Madoff geschleust hat, verabschiedet sich vom Markt. Der Aufsichtsrat hat am Mittwoch per Telefonkonferenz beschlossen, dass das Mini-Institut mit dem Mega-Madoff-Konnex seine Bankenkonzession zurücklegt. Die Folge ist die Abwicklung der Bank; eine Idee, die die Bank Austria schon lang verfolgt. Die Anstrengung Kohns und ihres Aufsichtsratskollegen Johannes Fahrnleitner, einen Käufer für die von Klagen bedrohte Gesellschaft zu finden, ist gescheitert.

Pech für Stefan Zapotocky

Pech hat auch Stefan Zapotocky, einer von Kohns einstigen Vertrauten. Der Ex-Chef der Wiener Börse hatte (im Dezember) sein Aufsichtsratsmandat in der "Banken-ÖIAG" Fimbag zurückgelegt: Zapotocky ist im Board des von Madoff gemanagten Fonds Alpha Prime und war bis November Aufsichtsrat der Wiener Anaxo. Die von Ex-Bank-Austria-Managern gegründete Investmentgesellschaft hat Alpha-Prime-Fondsanteile vertrieben, ebendort selbst Geld versenkt und ihre Lizenz zurückgelegt.
Dasselbe Schicksal hat nun auch Zapotockys Finanzdienstleistungsgesellschaft Bast AG Value & Invest Development (je 50 Prozent halten er und Barbara Wösner-Sandberg) ereilt. Die Gesellschaft hat am 9. Februar ihre Konzession zurückgelegt, kann und darf somit keine Anlageberatung mehr durchführen, keine Aufträge annehmen oder vermitteln. Wösner-Sandberg begründet das so: "Wir üben diese Geschäfte nicht aus, sind im Private-Equity-Geschäft tätig."
Aus der aktuellen Homepage der Bast AG erschließt sich das so nicht, laut selbiger strebt die 2006 gegründete Gesellschaft "in Österreich und Mitteleuropa eine Spitzenposition als erfolgreicher, unabhängiger, leistungsfähiger und ertragsstarker privater Finanzdienstleister" an. Zudem agiert das Unternehmen als Managementgesellschaft der Bast Investmentgruppe: Zu ihr gehört die Bast Beteiligungsinvest AG, die wiederum als Holding fungiert, der die Mehrheit der Bast Unternehmensbeteiligungs AG gehört. Eine ihrer Beteiligungen (die Bitumen Complete Solutions AG) musste diese Woche Ausgleich anmelden. In ihrem ersten vollen Geschäftsjahr 2007 hat die Bast Unternehmensbeteiligungs AG einen Verlust von 560.000 Euro ausgewiesen.

Keine Vertriebsfunktion

Mit bei Madoff verschwundenen Geld oder Alpha Prime habe die Lizenzrückgabe der Bast AG nichts zu tun haben, beteuert Wösner-Sandberg. Zapotocky sagte schon zu Jahresende zum Standard, weder er noch seine Bast AG hätten im Alpha Prime Geld verloren: "Ich hatte keine Vertriebsfunktion, und ich trenne Persönliches von Geschäftlichem."
Trotzdem bedroht den Ex-Börsenchef ein weiterer Verlust: Aus der ÖIAG ist zu hören, dass er aus deren Aufsichtsrat ausscheiden soll - allerdings nicht allein: Auch die glücklose Conti-Übernehmerin, Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, soll gehen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.3.2009)

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