Reporter ohne Grenzen schockiert über Tod von Blogger in iranischem Gefängnis

19. März 2009, 14:26
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Anwalt zweifelt an angeblichem Selbstmord

Die Medienorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF/ROG) hat sich nach dem Tod des Cyber-Dissidenten Omidreza Mirsayafi, der sich seit dem 7. Februar in einem Teheraner Gefängnis befand, schockiert gezeigt. "Sein Tod ist eine traurige Erinnerung daran, dass das iranische Regime eines der weltweit skrupellosesten ist gegenüber Journalisten und Bloggern", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Mirsayafi stand wegen Beleidigung vor Gericht und habe nach Angaben der Gefängnisverwaltung Selbstmord begangen, erklärte dessen Anwalt Mohamed Ali Dadkhah gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Kein "politischer Blogger"

Mirsayafi habe sich nach seiner Verhaftung gegenüber Reporter ohne Grenzen als "kultureller, nicht politischer Blogger" beschrieben. Die meisten seiner Artikel hätten sich mit traditioneller persischer Musik und Kultur befasst und nur sehr wenige hatten laut Mirsayafi satirischen Inhalt. Der Blog namens "Rooznegaar" ist mittlerweile gesperrt. Die Organisation forderte nun eine unabhängige Kommission zur Untersuchung der genauen Todesumstände von Mirsayafi.

"Er wurde ungerechtfertigt eingesperrt und zugleich wurde ihm die notwendige medizinische Hilfe verweigert"

Mirsayafis Anwalt betonte, ein zusammen mit seinem Mandanten inhaftierter Arzt habe kürzlich gewarnt, der junge Blogger leide unter Herz-Rhythmus-Störungen. Daraufhin sei der Mann auf die Krankenstation des Gefängnisses verlegt worden, wo ihn die Ärzte aber als Simulanten hingestellt hätten. "Wir machen die iranischen Autoritäten alleinig verantwortlich für den Tod von Omidreza Mirsayafi. Er wurde ungerechtfertigt eingesperrt und zugleich wurde ihm die notwendige medizinische Hilfe verweigert", so Dadkhah.

Der etwa 25 Jahre alte Mann war im November zu 30 Monaten Haft verurteilt worden, weil er unter anderem den obersten geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, beleidigt haben soll. Anfang Februar musste der Blogger dann ins Gefängnis. Die iranischen Behörden gehen mit harschen Methoden gegen Blogger und andere Internet-Nutzer vor, deren Texte sie als zu kritisch empfinden. (APA)

 

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