Zwei verschiedene Paar Schuhe

19. März 2009, 16:08
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Die Frage "Wozu noch Religionsunterricht?" wird sich durch die Einführung von Ethikunterricht automatisch stellen

Ethikunterricht, ja bitte! Darüber herrscht in Österreich nach einem Jahrzehnt Diskussion weitgehend Konsens. Die kirchlich-pädagogische Hochschule Wien-Krems bietet gemeinsam mit der Universität Wien einen Ethiklehrgang an, und bis auf die Tatsache, dass Ministerin Schmied für diese Bereiche wieder Geld gestrichen hat, sind alle zufrieden mit dem harmonischem Nebeneinander von Ethik und Religion. Gewartet wird nur mehr auf das Okay der Politik, um den Ethikunterricht auch im Regelunterricht verankern zu können. Alles schön und gut: nur stellt sich die Frage, wozu dann noch Religionsunterricht?

Mit der Diskussion um Ethikunterricht tauchen gleichzeitig Grundsatzfragen, die den Religionsunterricht in massive Bedrängnis bringen werden: Kann ein Religionsunterricht wirklich gleichwertig und ebenbürtig neben einem Ethik-Unterricht bestehen? Wird hier nicht auf zwei völlig unterschiedliche Fundamente aufgebaut? Und wenn Religionslehrer für sich in Anspruch nehmen, dass sie eine sehr progressive Ethik vermitteln, worin liegt hier der Unterschied zum neuen Unterrichtsfach?

Auch wenn jetzt Hand in Hand versucht wird, die Entwicklung von Ausbildungen und Lehrplänen voranzutreiben, früher oder später wird der Religionsunterricht unter Zugzwang kommen. Dann, wenn die Schülerzahlen im Religionsunterricht durch die neue Wahlmöglichkeit rapide sinken werden. Dann, wenn sich SchülerInnen für einen Lehrplan entscheiden, der neben der Vermittlung der Weltrelgionen auch Lebensentwürfe, Konsumverhalten, Bioethik und Religionskritik thematisiert. Was bleibt da noch dem Religionsunterricht vorbehalten?

Die Kernkompetenzen des Religionsunterrichts sind andere als die des Ethikunterrichts, der auf irdische Instanzen Bezug nimmt. Fundament ist hier der Glaube an Gott. Wenn dann hierzulande aber immer öfter betont wird, wie verhandelbar die Positionen heutzutage auch schon im christlichen Religionsunterricht sind, stellt sich die Frage, worin die Substanz des Religionsunterrichts noch besteht. Was kann in diesem Fach noch an grundsätzlichem Wissen vermittelt werden, das nicht ohnehin in derselben Form im Ethikunterricht behandelt wird? Glaube und Spiritualität? Sind das Dinge, die wirklich in staatlichen Schulen gelehrt werden müssen? Oder sollte die Beschäftigung mit diesen Fragen nicht im Privatbereich angesiedelt werden?

Diese Frage wird sich nach der Einführung des Ethikunterrichts von selbst beantworten. Die Antwort darauf werden uns die hoffentlich mündigen SchülerInnen durch ihre Entscheidung für oder gegen eines der Unterrichtsfächer geben. (Teresa Eder/derStandard.at, 19.3.2009)

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