Israels Ex-Präsident wegen Vergewaltigung angeklagt

19. März 2009, 13:36
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Katzav bestreitet Vorwürfe - 50 ZeugInnen sollen gehört werden: Bei Schuldspruch 16 Jahre Haft und Entschädigungszahlungen

Tel Aviv - Der ehemalige israelische Präsident Moshe Katzav muss sich wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht verantworten. Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstag, die Staatsanwaltschaft habe Anklage gegen den 63-Jährigen erhoben. Während des Prozesses vor dem Bezirksgericht von Tel Aviv sollen mehr als 50 ZeugInnen befragt werden.

Katzav, der auch wegen weiterer Sexualdelikte angeklagt wird, bestreitet sämtliche Vorwürfe. Bei einer Verurteilung droht dem 63-Jährigen eine Haftstrafe von 16 Jahren.

Während einer fast dreistündigen Pressekonferenz hatte sich Katzav vor einer Woche als Opfer einer Hexenjagd dargestellt. Er kündigte an, dafür zu kämpfen, dass die ganze Wahrheit ans Licht komme. Katzav warf Generalstaatsanwalt Menahem Masus (Mazuz) vor, seit Aufnahme der Ermittlungen vor drei Jahren Lügen und Fälschungen an die Presse lanciert zu haben. "Die Staatsanwaltschaft, die Polizei, Politiker und Journalisten haben tagtäglich mein Blut vergossen", sagte er am vergangenen Donnerstag. 

Deal für geringe Strafe ausgeschlagen

Katzav muss sich wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen in seiner Zeit als Tourismusminister (1996-1999) sowie als Präsident (2000-2007) verantworten. Angesichts der Vorwürfe war Katzav im Juni 2007 zurückgetreten. Seine Anwälte handelten dann mit der Staatsanwaltschaft ein Schuldeingeständnis für ein geringeres Strafmaß aus. Demzufolge sollte Katzav nicht wegen Vergewaltigung, sondern wegen anderer Sexualdelikte angeklagt werden. Katzav entschied allerdings im April 2008, die Vereinbarung mit der Justiz nicht zu unterzeichnen, und einen Gerichtsprozess anzugehen. Katzav drohen neben einer Haftstrafe hohe Entschädigungszahlungen an zwei Klägerinnen. 

Kritik an Milde gegenüber dem einflussreichen Täter

Der umstrittene Justizhandel mit der Staatsanwaltschaft war im ganzen Land auf scharfe Kritik bei Frauenorganisationen und Opfern sexueller Gewalt gestoßen. Katzav war bereits in einem ersten Verfahren vorgeworfen worden, in seiner Zeit als Tourismusminister eine Mitarbeiterin vergewaltigt zu haben. Dann kam es zu dem Kompromiss mit der Justiz. Kurz darauf strengte Katzav jedoch den neuen Prozess an, um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu widerlegen, wie er erlärte. Während seiner Amtszeit als Präsident hat Katzav nach früherem eigenem Eingeständnis mehrere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt. (APA/dpa/Ag.)

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