Weltwirtschaft schrumpft heuer um ein Prozent

19. März 2009, 11:57
posten

Welthandel dürfte um ein Zehntel einbrechen, Kapitalflüsse um mehr als ein Drittel - Aufschwung kommt frühestens 2010

Wien - Die Weltwirtschaft dürfte nach Berechnungen des IHS heuer um 1 Prozent schrumpfen, das globale Exportvolumen voraussichtlich sogar um ein Zehntel zurückgehen. Gleichzeitig wird ein weiterer starker Einbruch der grenzüberschreitenden Kapitalflüsse um 38 Prozent erwartet. Der Konjunkturaufschwung kann nach Einschätzung der IHS-Experten frühestens 2010 einsetzen - wobei sich der starke Fokus der österreichischen Exportwirtschaft auf Kraftfahrzeuge und Maschinen derzeit als Nachteil erweist.

Vom Ölpreis dürfte heuer kaum ein Inflationsdruck ausgehen - das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet, dass sich der Rohölpreis von 97,7 Dollar je Barrel (2008) auf 44 Dollar mehr als halbieren wird. Die anderen Rohstoffpreise sollen um 29 Prozent unter dem Niveau des Vorjahrs liegen.

In den drei großen europäischen Industrieländern Deutschland, Frankreich und Italien sowie in Japan hatte der Konjunkturabschwung bereits im 2. Quartal 2008 begonnen und sich im weiteren Jahresverlauf dramatisch verschärft: Im 4. Quartal schrumpfte die japanische Wirtschaft um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, in Deutschland betrug der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2,1 Prozent, in Italien 1,9 Prozent und in den USA 1,6 Prozent.

Wirtschaftsklima trübt sich weiter ein

Laut einer Umfrage des Münchner ifo-Instituts hat sich das Weltwirtschaftsklima weiter eingetrübt und weist auf einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2009 hin. Im Jahresverlauf 2009 dürfte sich der Abschwung jedoch verlangsamen. Die Entwicklung des Weltaktienindex seit Mitte Oktober 2008 sowie eine Stabilisierung der zwischen Juni und November 2008 stark gefallenen Preise für Energie, Agrarprodukte und Metalle könnten jedoch als konjunkturelle Talsohle interpretiert werden, meinen die Wirtschaftsexperten: Offensichtlich sei genügend Nachfrage nach Rohstoffen vorhanden, um die Preise auf dem entsprechenden Niveau zu halten.

Das IHS erwartet, dass die Wirtschaft der Länder, die auch für die österreichische Wirtschaftsentwicklung bestimmend sind, im laufenden Jahr schrumpfen wird. In der zweiten Hälfte 2009 könnte eine Stabilisierung einsetzen. Eine mögliche Belebung im Jahr 2010 wird von der Zinsentwicklung und niedrigen Preisen insbesondere bei den Rohstoffen gestützt werden. Durch Konjunkturpakete und Maßnahmen zur Umstrukturierung von Wirtschaftszweigen (Autoindustrie und Finanzwesen) werde die Zuversicht der Investoren voraussichtlich wieder zunehmen.

Die deutsche Wirtschaft wird heuer voraussichtlich um 4 Prozent schrumpfen, gefolgt von einem schwachen Wachstum im nächsten Jahr. In Frankreich und Italien verläuft der Wachstumseinbruch 2009 etwas weniger dramatisch, dabei muss berücksichtigt werden, dass die Wirtschaft beider Länder bereits 2008 Probleme aufwies. Investitionen und Exporte werden 2009 zu einem Schrumpfen der Schweizer Wirtschaft führen. Das BIP der USA dürfte 2009 zwischen 2 bis 3 Prozent sinken. Der Aufschwung könnte jedoch schon im nächsten Jahr einsetzen. Japan dürfte 2009 einen Rückgang des BIP um 6 Prozent erleben, das wäre der tiefste Konjunktureinbruch seit dem zweiten Weltkrieg. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.