Sony friert Gehälter seiner Mitarbeiter ein

19. März 2009, 17:49
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Mit einer Nulllohnrunde, herabgesetzten Boni und weniger Mitarbeitern will der Elektronikkonzern wieder aus den roten Zahlen kommen

Sony prescht in Japan bei der Einsparung von Lohnkosten voran. Japans Vorzeigekonzern hat Arbeitern und Angestellten in den laufenden Tarifverhandlungen für das im April beginnende Bilanzjahr nicht nur eine Nullrunde beim normalen Gehalt verordnet, sondern streicht zusätzlich die Bonuszahlung von sechs auf vier Monate zusammen. Damit gehen Angestellte mit etwa zehn Prozent weniger nach Hause.

Mehr noch schneidet der Konzern beim Management und den Vorständen weg. Mittlere Manager müssen auf bis zu 20 Prozent Gehalt verzichten, Vorstandsmitglieder auf 30 Prozent und 70 Prozent ihrer Boni. Der Vorstandsvorsitzende Sir Howard Stringer und zwei andere Topvorstände verzichten auf die Hälfte ihres Gehalts und ihren gesamten Bonus.
Der Elektronik- und Unterhaltungskonzern beschleunigt mit den drastischen Lohnkürzungen seinen Sanierungsplan, mit dem er den tiefen Sturz in die roten Zahlen stoppen will. Nach einem Betriebsgewinn von 374 Milliarden Yen im vorigen Jahr erwartet Sony für das bis Ende März laufende Bilanzjahr 2008/09 einen Verlust von 260 Mrd. Yen (etwa zwei Mrd. Euro).

Doppelter Schlag

Im Gegensatz zu den ausländischen Wettbewerbern müssen Sony und die anderen japanischen Elektronik- und Autohersteller einen doppelten Schlag verkraften. Ihnen bricht nicht nur der Absatz weg. Der Höhenflug des Yen verteuert die Produktionskosten auf Fremdwährungsbasis und lässt dadurch die Gewinnspannen im Auslandsgeschäft schmelzen. Die südkoreanischen Rivalen Samsung und LG nutzen die Gunst der Stunde und rauben den Japanern zum Beispiel bei Flachfernsehern global Marktanteile.
Als erste Maßnahme hatte Sony-Chef Sir Howard bereits im Dezember 2008 die Streichung von weltweit 16.000 Stellen angekündigt und im Februar die gesamte Macht an sich gerissen. Ab 1. April übernimmt er zusätzlich zu seinem Job als Vorstandsvorsitzender auch den Posten von Präsident Ryoji Chubachi, der das wichtige Elektronikgeschäft gemanagt hat.

Neue Vorstände

Gleichzeitig wirft Stringer andere Top-Vorstände raus und betraut ein Quartett aus 40- bis 50-jährigen Jungspunden mit einem radikalen Umbau der Elektroniksparte. "Das sind meine vier Musketiere" , sagte Stringer bei ihrer Vorstellung im Februar. "Wir werden die Betonung von Konsens- auf Top-Down-Management verschieben" , versprach Stringer. So will er versuchen, Sony trotz Krise in die Gewinnzone zurückzusteuern.
Mit dieser Radikalität schwingt sich Sony in Japan zum Vorreiter in Sanierungsfragen auf. Auch der Autobauer Toyota, der erstmals seit Beginn seiner Bilanzaufzeichnungen einen Betriebsverlust erwartet, will erstmals seit Jahren den Sockellohn einfrieren, den Bonus senken sowie den Vorstand mit jüngeren Managern neu besetzen. Darüber hinaus sollen 2009 die Neueinstellungen in Japan auf 1800 halbiert werden, so wenig wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Besonders große Ausstrahlungskraft hat jedoch Stringers neuer Managementstil des starken Mannes in der Elektronikindustrie. Erst diese Woche hat der Riese Hitachi angekündigt, dass Takashi Kawamura wie Stringer die beiden Top-Posten übernehmen wird. Bei Toshiba wird Norio Saskai zwar nur neuer Präsident. Aber seine Mission ist die gleiche: Nach Jahren fruchtloser Reförmchen soll er radikale Schnitte durchsetzen. (Martin Koelling aus Tokio)

 

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