"In Klubs wird meistens nicht so viel politisiert"

19. März 2009, 13:04
112 Postings

DJane Sweet Susie über die Feierlaune der EuropäerInnen, Unterschiede beim Partymachen und wie sich Schwarz-Blau auf die Clubkultur ausgewirkt hat

Susanne Rogenhofer begeistert als DJane Sweet Susie schon seit 1994 LiebhaberInnen Elektronischer Musik. Darüber, wie sich Europas Clubszene in den letzten 15 Jahren entwickelt hat, was die EU gebracht hat und was Europa für sie bedeutet, sprach sie mit derStandard.at. Außerdem verrät sie, in welcher Stadt sie einen "Dancefloor gekillt" hat und in welchen Ländern immer gute Partystimmung ist, selbst wenn die DJs große Fehler machen. Die Fragen stellte Katrin Burgstaller.

derStandard.at: Sie sind schon seit 1994 DJane. Wo war der erste Auftritt außerhalb Österreichs?

Rogenhofer: Das war 1995 in Italien bei einem Diaprojektionsfestival. Die Gage haben wir damals in Lire bekommen.

derStandard.at: Wann sind Sie in ganz Europa aktiv geworden?

Rogenhofer: Das war Ende der 1990er-Jahre, zeitgleich als der Dub Club im Flex und Kruder & Dorfmeister über die Grenzen Wiens hinaus bekannt wurden. Dank Kruder & Dorfmeister wurde die Wiener Klubszene in Europa und in der Welt bekannt. Auch der Dub Club ist eine wichtige Station, aus der österreichische Szenegrößen herausgewachsen sind. Aber auch umgekehrt haben uns viele Europäische Clubs geholt. Wir haben in Spanien, sehr oft in Deutschland, Belgien, Schweden, Holland, in Slowenien, Kroatien und Serbien gespielt.

derStandard.at: Wurden die Wiener DJs nach der EU-Osterweiterung 2004 und 2007 verstärkt auch von östlichen Länder gebucht?

Rogenhofer: Ja, definitiv. Wir haben zum Beispiel in Ungarn anlässlich des EU-Beitritts gespielt. In diesen Ländern hat sich später auch verstärkt die Clubkultur entwickelt. Es findet ein reger Kulturaustausch statt.

derStandard.at: War es vor dem EU-Beitritt schwierig, in bestimmte Länder einzureisen?

Rogenhofer: Naja, in Serbien war man an die Zeiten des Eisernen Vorhangs erinnert. Alleine um diese Grenze zu übertreten, musste man Serpentinen befahren. Mittlerweile brauchen selbst die bekifftesten Typen keinen Pass mehr. Ich finde das Herumreisen sehr spannend. Künstler und Forscher haben sich immer in der Welt bewegt, das ist schließlich auch wichtig, um neue Inspirationen zu bekommen.

derStandard.at: Hat sich für Sie als Künstlerin durch das neue politische System in Europa etwas verändert?

Rogenhofer: Ja, man braucht keinen Pass mehr und muss die Währungen nicht mehr umwechseln. Auch die Kultur- und Studentenaustauschprogramme finde ich sehr gut. In den 50er-Jahren war selbst eine Reise nach Paris eine Reise ins Unbekannte.

derStandard.at: Früher haben Sie die Gage wahrscheinlich immer in der jeweiligen Landeswährung bekommen – War das lästig?

Rogenhofer: Teilweise habe ich das Geld gleich ausgegeben, größere Beträge habe ich gewechselt. Ich habe noch immer viele Münzen zu Hause. Die einheitliche Währung ist wesentlich praktischer.

derStandard.at: Welche europäische Stadt haben Sie besonders gern?

Rogenhofer: Paris, das hat etwas sehr Urbanes. Mir gefällt der historische Stadtkern, die zeitgenössische Kunst und das multikulturelle Zusammenleben. Ich kann nur leider kein Französisch. Aber mittlerweile sprechen die Franzosen ein paar Worte Englisch. Das hat vermutlich aber weniger mit dem EU-Beitritt zu tun. Ich denke, das hat sich eher durch das Internet verändert.

derStandard.at: Verhält sich das Publikum in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich? Gibt es Dinge, die Ihnen besonders stark auffallen?

Rogenhofer: Natürlich kann man nicht alle über einen Kamm scheren, aber es gibt schon Dinge, die auffallen. Bei Partys wird das ekstatische Verlangen der Menschen ausgelebt. Wie das ausgelebt wird, ob spontan, oder ob zuerst Alkohol getrunken werden muss, hängt auch mit der politischen und religiösen Geschichte zusammen. Man merkt schon, dass die Leute im ehemaligen Osten bei den Partys besonders ausflippen. Zur Zeit des Eisernen Vorhangs gab es keine Discos.

Die Österreicher feiern auch gerne, um mal locker zu werden, müssen sie sich aber zuerst einmal ansaufen. In Deutschland ist das Publikum sehr gesättigt. Der musikalische Inhalt ist ihnen wichtig. In mediterranen Ländern oder auch im Osten kann der DJs die größten Fehler machen, trotzdem kommt man in Stimmung. Vielleicht bin ich aber auch traumatisiert. Das erste und einzige Mal, wo ich einen Dancefloor gekillt habe, war nämlich in Frankfurt am Main.

derStandard.at: Party machen wird aber auch durch das Gesetz reglementiert. Das gibt es auch Unterschiede von Land zu Land.

Rogenhofer: Ja, was das betrifft, ist Wien sehr liberal und offen, etwa was Sperrstunden oder Alkohol anbelangt. In den meisten anderen europäischen Ländern wird das sehr viel strenger gehandhabt. In Italien darf mittlerweile nur mehr bis zwei Uhr in der Früh Alkohol ausgeschenkt werden. Auch die skandinavischen Länder sind streng. Engländer, die uns besuchen, sind meistens sehr angetan, dass das so locker gehandhabt wird. Mittlerweile ändert sich das aber auch bei uns, etwa was Sperrstunden und das Tabakgesetz betrifft.

derStandard.at: Suchen Sie Ihre Platten, die Sie auflegen, auch länderspezifisch aus?

Rogenhofer: Nein, Klubkultur ist ein globalisiertes Phänomen. Innerhalb Europas gibt's da kaum Unterschiede. In Asien ist das anders, da ist die Klubkultur noch relativ jung. Dort hört man vor allem Techno und R'n' B.

derStandard.at: Wenn Sie in anderen Ländern über Österreich sprechen, worüber wird da geredet?

Rogenhofer: In Klubs wird meistens nicht so viel politisiert. Ich rede im Ausland oft über das Wiener Leitungswasser. Wo anders muss man das Wasser meistens kaufen, in Wien duschen wir sogar mit dem Trinkwasser. Auf die Schwarz-Blaue Regierung und Jörg Haider bin ich oft angesprochen worden. Unter Schwarz-Blau haben uns Bands abgesagt. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 19. März 2009)

Zur Person

Sweet Susie aka Susanne Rogenhofer ist seit 1994 als DJ, Bookerin und Elektronik-Musikerin tätig. Gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner Manni Montana betreibt sie das Digitallabel "Private Pleasure Recordings". Zusammen mit Sugar B, Gümix hat sie den bekannten Montag-Club in Wiener Flex "Dub Club" etabliert. Darüber hinaus hat sie ein Kunststudium an der Universität für Bildende Kunst abgeschlossen. Derzeit kuratiert Rogenhofer einen Asien-Schwerpunkt im Rahmen der Wiener Festwochen. Vom 23. bis zum 24. Mai werden auf der Wiener Gumpendorferstraße in dem Abschnitt um das Restaurant "Ramien", MusikerInnen, Djs und KünstlerInnen aus den Weiten Asiens eingeladen.

  • Sweet Susie aka Susanne Rogenhofer: "Ich rede im Ausland oft über das Wiener Leitungswasser."
    foto: derstandard.at/burgstaller

    Sweet Susie aka Susanne Rogenhofer: "Ich rede im Ausland oft über das Wiener Leitungswasser."

  • Das Europäische Kochbuch ist ein Gegenstand, den Susanne Rogenhofer mit Europa verbindet. "Die Suppe habe ich schon mal selbst gekocht. Schmeckt echt super", verrät sie derStandard.at.
    foto: derstandard.at/burgstaller

    Das Europäische Kochbuch ist ein Gegenstand, den Susanne Rogenhofer mit Europa verbindet. "Die Suppe habe ich schon mal selbst gekocht. Schmeckt echt super", verrät sie derStandard.at.

Share if you care.