Mann oder Frau, alt oder neu

18. März 2009, 20:18
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Populäre Ex-Ministerin fordert slowakischen Präsidenten im Obama-Stil heraus

Bratislava - Insgesamt sieben Personen bewerben sich im ersten Wahlgang am kommenden Samstag um das slowakische Präsidentenamt. Erstmals hat die Volkswahl einen Beigeschmack von Glücksspiel: Man kann im Wettbüro auf den Sieger setzen. Dahinter steht die Absicht, mehr Wähler an die Urnen zu bringen. Erwartet wird eine Wahlbeteiligung von 36 bis 41 Prozent. Damit wird eine Entscheidung in der ersten Runde praktisch unmöglich, denn der Sieger müsste die Mehrheit aller rund vier Millionen Wahlberechtigten erringen.

Das Spektrum der Bewerber ist breit. Es reicht von einer unabhängigen Kandidatin über die Vorsitzende einer außerparlamentarischen Partei und einem Kommunisten bis zu einem ausgeprägten Antikommunisten. Die größten Chancen haben jedoch Amtsinhaber Ivan Gašparovic, der laut Umfragen auf 50 Prozent Zustimmung kommt, und die von der Mitte-rechts-Opposition unterstützte frühere Arbeitsministerin Iveta Radicová, die von rund 30 Prozent der Wähler unterstützt wird. Damit wird auch der Polarisierungscharakter der Wahlen verdeutlicht. Die entscheidenden Kriterien sind offenbar Mann oder Frau und alt oder neu.

Der bisherige Präsident Gašparovic genießt die starke Unterstützung von Regierungschef Robert Fico und Ján Slota, dem Chef der Nationalisten-Partei. Paradoxerweise ist der dritte Koalitionspartner, Vladimír Meciar, zum heftigsten Kritiker von Gašparovic geworden. Sein ehemaliger enger Parteifreund und späterer Rivale bei der Präsidentenwahl sei nicht in der Lage, das Amt weiter auszuüben. "Er ist mit umstrittenen Unternehmergruppen verbunden, seine Leistung im Präsidentenamt kostet zu viel und ist demütigend" , sagte Meciar, der einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt. Die Angriffe lassen den Präsidenten, der politische Stabilität und nationale Kontinuität verspricht, nicht kalt. Jetzt seien seine Anwälte an der Reihe, ließ Gašparovic vernehmen.
Die Soziologie-Professorin Iveta Radicová setzt auf eine lockere, aber gut organisierte Kampagne im Stil von Barack Obama. Das amerikanische "Yes, we can" hat im slowakischen Idiom die Bedeutung von "Das ist meine Sprache" und genießt breite Unterstützung unter Künstlern und jungen Wählern.

Radicová ist die gemeinsame Kandidatin der Opposition, mit Ausnahme der abgespaltenen Katholiken, die ihren eigenen Bewerber haben: František Mikloško, den starken Unterstützer der Wende von 1989. Mit seinem Programm, orientiert an christlichen und nationalen Werten, liegt er in den Umfragen auf Platz drei. Wer wirklich der nächste Präsident wird, entscheidet sich höchstwahrscheinlich erst in der zweiten Runde am 4. April. (koka/DER STANDARD, Printausgabe, 19.3.2009)

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