Experten sehen Rüstungspläne Medwedews skeptisch

18. März 2009, 19:12
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Bekannte "Versprechungen" und "Sicherheitsbotschaft" an Bevölkerung

Moskau/Wien - Russische Experten betrachten die jüngste Ankündigung des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew die Streitkräfte und Atomwaffen ab 2011 modernisieren zu wollen skeptisch. Bereits seit zehn Jahren werde eine Umrüstung versprochen, aber die Armee habe immer noch keine neue Technik, zitierte die russische Agentur RIA Novosti Rüstungsexperten. Beobachter zeigten sich mitunter überzeugt, dass der Beginn der angekündigten Umrüstung, die Medewedew nicht zuletzt mit den Erweiterungsplänen der NATO begründete, an das Ende der Wirtschaftskrise geknüpft werde - vorher eine groß angelegte Neuausrüstung einzuleiten, sei schwer.

Anatoli Zyganok, Leiter des Zentrums für militärische Prognose, erläuterte: "Alles, was der Verteidigungsminister und der Oberste Befehlshaber sagen, ist ausschließlich für das Inland bestimmt. Die Bevölkerung soll wissen: In der Krise vergesse der Staat die Verteidigung auch nicht für eine Minute."

"Kampffähiger wird die Armee nicht"

"Was verstehen sie unter neuen Rüstungen? Was bisher gekauft wurde, ist hauptsächlich Technik aus sowjetischer Produktion. Es ist sehr wohl möglich, die alte Technik komplett zu verschrotten und den Anteil moderner Waffen und technischer Geräte sogar auf hundert Prozent zu bringen, aber kampffähiger wird die Armee davon nicht", so Alexander Chramtschichin, Experte des Instituts für politische und militärische Analyse.

Vitali Zymbal, Leiter des Labors für Militärwirtschaft am Institut der Wirtschaft der Übergangsperiode, wurde noch deutlicher: die geplanten Kennzahlen seien auch durch den geplanten Abbau der Armee zu erreichen: "Wird die Armee bis auf eine Million Mann oder sogar noch mehr reduziert, so wird sich das Ausrüstungsniveau der Einheiten tatsächlich erhöhen."

Ähnliche Aussagen für Umrüstungen gab es laut RIA bereits in der Vergangenheit. Premier Wladimir Putin sprach demnach Mitte Jänner von der Absicht, bis 2011 für den Kauf neuer Militärtechnik und Ausrüstung etwa vier Billionen Rubel (89,2 Mrd. Euro) bereitzustellen.

Die Rüstungsindustrie stellt für die Regierung während der Wirtschaftskrise eine wichtige Quelle für Deviseneinnahmen dar, deshalb wird neue Technik zu einem Großteil nach wie vor exportiert. (APA)

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