Krisenbewältigung à la Sepp und Erwin

18. März 2009, 18:46
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"Sehr geehrter Herr Vizekanzler, lieber Sepp" - Finanzminister Pröll trifft erstmals hochoffiziell auf Landeshauptmann Pröll

St. Pölten - Es ist ein trüber Tag in St. Pölten, aber die Aussicht vom sechsten Stock des niederösterreichischen Regierungsgebäudes ist dennoch beeindruckend. Josef Pröll lässt seinen Blick über die Traisen und das Landhausschiff schweifen, während sein Onkel Erwin, der im Allerheiligsten der blau-gelben Landespolitik residiert, von den diversen Konjunkturpaketen seiner Landesregierung erzählt.

Es ist das erste offizielle Aufeinandertreffen von Landeshauptmann und Vizekanzler, seit letzterer im Amt ist. Familiär verbunden und doch irgendwie staatstragend - so geben sich die Prölls, wenn sie sich vor den Journalisten mit "Sehr geehrter Herr Vizekanzler, lieber Sepp" und "Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, lieber Erwin" begrüßen.

"Der Weg wird steiler"

Politisch kennen die beiden nur ein Thema: die Wirtschaftskrise. Man sei zwar nicht "zusammengekommen, um die Krise herbeizureden" , sagt der Landeshauptmann, aber: "Der Weg wird steiler." Die Niederösterreicher sollen ihre Spargelder mobilisieren und so die Wirtschaft ankurbeln, legt ihnen Erwin Pröll nahe. Die Anreize dafür kommen via Konjunkturpaketen von Land und Bund, "eng akkordiert" , wie der Landeshauptmann mehrmals betont.
Der Vizekanzler spielt den Ball zurück: Es gebe eine "enge Kooperation auf allen Ebenen" , seine Heimat Niederösterreich sei "immer vorne mit dabei" gewesen. 470 Millionen werde die Steuerreform alleine für die niederösterreichischen Steuerzahler - vor allem für die Familien - bringen, und die Bundesimmobiliengesellschaft werde in den kommenden Jahren fast 300 Millionen hier investieren. Schließlich wird Josef Pröll, vielleicht ob der Gegenwart von Landesvater Erwin, ein wenig pathetisch: Es werde gelingen, die Krise zu meistern, "auch in Anbetracht dessen, was dieses Land schon mitgemacht hat" .

Und wie verhandelt es sich im Familienkreis? Die Antwort fällt humorig-routiniert aus, die Prölls hören die Frage wohl nicht zum ersten Mal. "Ich kenne ihn ja schon lange" , sagt der Ältere, daher wisse er, dass er im Finanzminister einen verlässlichen und umgänglichen Verhandlungspartner habe. "Auch ich kenne ihn schon lange" , assistiert der Jüngere schmunzelnd, was freilich nicht heiße, dass alles immer friktionsfrei laufe zwischen dem Finanzminister und dem Landeshauptmann. Kein Wunder - hat Neffe Sepp doch vom durchsetzungsfähigen Onkel Erwin "viel lernen können". (Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 19. März 2009)

  • Familientreffen im Allerheiligsten der blau-gelben Landespolitik: Finanzminister Josef und Landeshauptmann Erwin Pröll.
    foto: raimund bolz

    Familientreffen im Allerheiligsten der blau-gelben Landespolitik: Finanzminister Josef und Landeshauptmann Erwin Pröll.

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