Opec warnt vor neuen Rekordpreisen

18. März 2009, 18:39
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Niedrige Notierung führt zu In­ves­titionsstopp und Lieferengpässen

Das vergleichsweise billige Erdöl könnte die Welt noch teuer zu stehen kommen. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die rund 40 Prozent des weltweit benötigten Rohöls liefert, hat am Mittwoch auf die Gefahr neuer Rekordpreise bei Erholung der Konjunktur gewarnt. Grund sei der Investitionsstopp in weiten Teilen der Ölindustrie.

"Bei Preisen von 40 oder 45 Dollar je Fass ist es ausgeschlossen, dass wir in zusätzliche Kapazitäten investieren", sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri am Mittwoch bei einem vom Ölkartell organisierten Seminar in Wien.

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Wien - Der schlechte Zustand der Weltwirtschaft wird selbst für die vermeintlich reichen Länder am Golf zu einem immer größeren Problem. Weil die Preise für Rohöl, von dem die größten noch förderbaren Mengen in den Sand- und Gesteinsschichten des Nahen Ostens lagern, innerhalb weniger Monate um 70 Prozent gefallen sind, herrscht Ebbe in den Staatskassen vieler Opec-Länder. Da die Petrodollars kaum zur Deckung der Staatsausgaben reichen, wird erst recht bei den Investitionen gespart.

"Bei Preisen von 40 oder 45 Dollar je Fass ist es ausgeschlossen, dass wir in zusätzliche Kapazitäten investieren können." Abdalla Salem El-Badri, seines Zeichens Generalsekretär der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), nahm sich am Mittwoch bei einem vom Ölkartell veranstalteten Seminar in Wien kein Blatt vor den Mund: "Wir brauchen realistische Preise." Sollte das nicht sichergestellt sein, drohe bei einem Anspringen der Konjunktur ein Preisschock. Was ein "realistischer Preis" sei, ließ El-Badri freilich unbeantwortet.

Vom Standard befragte Experten gehen davon aus, dass die Opec Preise von 70 bis 80 Dollar je Fass (159 Liter) anstrebt. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Nobuo Tanaka, einer der Teilnehmer am Seminar, warnte allerdings vor Preissprüngen. "Das wäre für die Ölproduzenten ebenso schädlich wie für die Konsumentenländer." Ein Preisanstieg bei Rohöl würde der Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schlag versetzen.

Sowohl die Opec als auch die IEA, die die Interessen der Regierungen der am meisten industrialisierten Länder vertritt, gehen von einem steigenden Rohölverbrauch aus. Trotz massivem Ausbau der erneuerbaren Energie, insbesondere von Windkraft und Solar, aber auch durch Forcierung der Atomkraft würden die Hauptstützen der Energieversorgung auch im Jahr 2030 Öl und Gas sein.

Die Notwendigkeit für Investitionen in die Öl- und Gasförderung ist aber ungleich größer, als das in den Jahrzehnten bisher der Fall war. Die leicht und günstig anzapfbaren Ölfelder sind längst erschöpft. Für die Förderung zusätzlichen Öls ist ungleich mehr Kapital notwendig. Der Chef von Royal Dutch Shell, Jeroen van der Veer, schlägt eine Partnerschaft mit den Ölgesellschaften der Exportländer vor: "Wir haben das Geld, das Wissen und die Technologie, die nationalen Ölgesellschaften die Ressourcen. Wir sollten uns zusammentun".

Experten bezweifeln, dass das funktionieren wird. Eher sei ein Trend hin zu weiteren Nationalisierungen zu beobachten, als dass die Türen für privates Kapital geöffnet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Geld für Finanzierungen nur mit Mühe aufgestellt werden kann. Sehenden Auges bewegt sich die Welt somit auf die nächste Krise zu, mit Preisen für Rohöl, die den Rekordwert vom Juli 2008 (147 Dollar) deutlich übersteigen können.(Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2009), 

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