Josef F.: "Ich bekenne mich schuldig"

18. März 2009, 18:10
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Angeklagter gesteht überraschend Mord und Sklavenhandel - Sein "grauenhaftes Verhalten" habe ihn nicht schlafen lassen - "Das hab i mir net vorg'stellt, dass sie das so erlebt hat, wie sie's geschildert hat"

Der Angeklagte möge sich in den Zeugenstand begeben, eröffnet Richterin Andrea Humer am Mittwochmorgen das weitere Verfahren gegen Josef F. Der Angeklagte nimmt Platz und erklärt zur vollkommenen Überraschung aller Anwesenden: "Ich bekenne mich schuldig der angeklagten Straftaten." Und zwar uneingeschränkt.

Anwalt: Schuldeingeständnis auch für ihn eine Überraschung

Auch sein Verteidiger Rudolf Mayer erklärt zu dieser Wendung, das Schuldeingeständnis seines Mandanten sei „eine Überraschung" gewesen. Diesen Schritt habe er nicht mit ihm abgesprochen. Josef F. habe Dienstag nach Verhandlungsende, also nach dem Ansehen des elfstündigen Videos mit der Aussage seiner Tochter, um psychiatrischen Beistand gebeten: „Es hat eine große Erschütterung stattgefunden", so Mayer.
Josef F. gesteht somit erstmals ein, dass er seine Tochter im Keller seines Amstettener Hauses in einen sklavereiähnlichen Zustand gebracht habe. Er bekennt sich weiters dazu, dass er seinen neugeborenen, schwerkranken Enkel-Sohn im Verlies ermordet habe - indem er keine ärztliche Hilfe zuließ.

"Grauenhaftes Verhalten"

Was ihn zum Eingeständnis bewogen habe, fragt Humer am Mittwoch in der Verhandlung nach. „Das Video meiner Tochter", bestätigt Josef F., „das hab i mir net vorg'stellt, dass sie das so erlebt hat, wie sie's geschildert hat." Sein „grauenhaftes Verhalten" habe ihn nicht schlafen lassen.

Personen auf der Zuschauer-Galerie

Gerüchten zufolge war Josef F.s Tochter auch anwesend, als ihre Aussage am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit dem Gericht gezeigt wurde. Josef F.s Verteidiger Rudolf Mayer zur Frage, ob sie im Saal gewesen sei: „Ich weiß es nicht, ehrlich." Allerdings räumte er ein, dass Personen auf der Zuschauergalerie gewesen seien: „Jedes Opfer hat das Recht, drei Personen ihres Vertrauens mitzubringen." Ob auch Frauen darunter gewesen seien? „Das darf ich nicht sagen."

Bei der Geburt der Zwillinge dabei gewesen

Am Mittwoch gesteht Josef F. auch, dass er bei der Geburt der Zwillinge im Kellerverlies dabei gewesen sei. Dies hatte er bis dahin abgestritten. Er habe auch erkannt, dass der eine Säugling „schwer atmet" - aber er habe „gehofft, dass er's durchsteht, der Kleine". Und er gibt zu: „Ich hätt' was tun müssen."
Vor der Niederkunft seiner Tochter sei er überzeugt gewesen, „dass es a normale Geburt wird". Während der Schwangerschaft habe er am Bauch seiner Tochter „nur auf einer Seite Tritte gespürt".

Das neonatologische Gutachten, ob der Säugling bei medizinischer Versorgung überlebensfähig gewesen wäre, wurde bereits am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörtert.

DNA-Gutachten bestätigt Vaterschaft

Nach dem Vortrag des psychiatrischen Gutachtens durch Adelheid Kastner werden am Mittwoch dann noch weitere Expertisen verlesen: Laut DNA-Gutachten ist Josef F. eindeutig der Vater seiner Enkel.

Luftzufuhr nur über Undichtheiten im Bauwerk

Ein weiterer Experte bestätigte, dass die Luftzufuhr im Keller nur über Undichtheiten im Bauwerk erfolgte. Die Luftverhältnisse seien „minder aber nicht gesundheitsschädlich" gewesen. Doch die feucht-kalte Luft habe zu „feucht-klammen Kleidungsstücken" geführt.

Bei Notfall hätten sich Türen nicht geöffnet

Ein letztes Gutachten belegt, dass es keinerlei Notfallseinrichtung beim Zugang gab: Die elektronisch versperrten Türen hätten sich nicht, wie von Josef F. behauptet, von selbst geöffnet, wenn ihm etwas zugestoßen wäre. Es fanden sich auch keine Spuren, dass ein derartiger Mechanismus installiert und später demontiert wurde. 

Damit ist das Beweisverfahren abgeschlossen. Das Urteil wird für Donnerstag, erwartet. (DER STANDARD Printausgabe 19.3.2009)

 

  • Die plötzliche Schuldeinsicht seines Mandanten in den Anklagepunkten Mord durch Unterlassung und Sklavenhandel war auch für ihn "eine Überraschung", erklärte Verteidiger Rudolf Mayer. Das umfassende Geständnis sei nicht abgesprochen gewesen. "Es hat bei ihm eine große Erschütterung stattgefunden", erklärte Mayer
    zeichnung: standard/oliver schopf

    Die plötzliche Schuldeinsicht seines Mandanten in den Anklagepunkten Mord durch Unterlassung und Sklavenhandel war auch für ihn "eine Überraschung", erklärte Verteidiger Rudolf Mayer. Das umfassende Geständnis sei nicht abgesprochen gewesen. "Es hat bei ihm eine große Erschütterung stattgefunden", erklärte Mayer

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