Bräune als Schutzmechanismus

18. März 2009, 17:27
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Fast alle Reaktionen auf UV-Strahlung dienen dem Schutz oder der Reparatur - Sonne kann ungeschützter Haut schwer schaden

Wien - Im März ist die Sehnsucht nach der Sonne schon sehr groß. "Alle Menschen - vor allem Kinder - brauchen sie, um gesund zu sein", sagte Greta Nehrer, Fachärztin für Plastische Chirurgie aus Wien. Ungeschützter Haut kann die Sonne aber schwer schaden.

UV-Licht dringt in die Haut ein und wird dort absorbiert. Die Lichtenergie führt zu Veränderungen im Zellstoffwechsel. "Alle bekannten Effekte der UV-Strahlung mit Ausnahme der Vitamin D-Produktion sind Ausdruck eines fototoxischen Schadens", erklärte Nehrer. Auch die Bräune ist nur ein Mechanismus, mit dem sich die Haut abzuschirmen versucht: Es wird die Bildung von Pigment angeregt, das sich als Schutz gegen das Eindringen der UV-Strahlen in den Zellen ablagert. Bis dieser Schutz aufgebaut ist, dauert es fünf bis sieben Tage.

Gesundheitliche Folgen

Wenn die Reparaturmechanismen wegen Überforderung versagen, können UV-Schäden zu Hautkrebs führen. Plattenepithelkarzinome (weißer Hautkrebs) entstehen an chronisch exponierten Stellen wie Gesicht und Handrücken. Das Melanom (schwarzer Hautkrebs) tritt meist in den typischen Sonnenbrandarealen auf dem Rücken und den Beinen auf.

Durch Zellschäden und die Entstehung freier Radikale ist das UV-Licht wichtigster Beschleunigungsfaktor für die Hautalterung. Dabei nimmt das Kollagen in der Haut ab, die Zunahme von Elastin führt zur Verdickung und Erschlaffung, Falten entstehen. Es kommt zu einer scheckigen Pigmentierung und Altersflecken. Gefäßerweiterungen werden als diffuse Hautrötungen an Wangen und Dekollete sichtbar. "Alle negativen Auswirkungen des UV-Lichtes auf die Haut können durch Sonnenschutz verhindert oder hinausgezögert werden", sagte die Ärztin.

Haut hat Gedächtnis

Kinder sind besonders gefährdet: "Oft werden in der Kindheit jene Sonnenschäden erworben, die beim erwachsenen Menschen in Form von Hyperpigmentierung, vorzeitiger Hautalterung oder, im schlimmsten Fall, Hautkrebs auftreten", sagte Greta Nehrer. "Bis zu ihrem dritten Lebensjahr sollten Kinder daher nie ungeschützt starker, direkter Sonne ausgesetzt werden. Es ist ratsam, sie zusätzlich zur Lotion auch mit T-Shirt und Hut zu schützen."

Ab dem sechsten Lebensmonat sei ein Produkt mit physikalischem Filter geeignet. "Die Mikropigmente bilden eine Schutzschicht auf der Haut und ziehen nicht in das Gewebe ein. Das ist für Kinder eine sehr schonende Lösung." Chemische Filter, wie sie die EU im Sinne eines gleichwertigen UVA- und UVB-Schutzes generell empfiehlt, sollten erst ab dem Kindergartenalter verwendet werden, riet Simone Presto von Beiersdorf. Der Bereich Babys und Kleinkinder bilde eine Ausnahme von der an sich sinnvollen EU-Empfehlung.

Sonnenschutz muss reichlich aufgetragen werden. Die empfohlene Menge, nach der sich auch der angegebene Schutzfaktor richtet, liegt bei zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Körperoberfläche. Das sind rund sieben Kaffeelöffel. Nur wiederholtes Auftragen erhält den Schutz. Eine Familie mit zwei Kindern würde so eine ganze Flasche pro Tag verbrauchen. In der Praxis verwenden die Konsumenten laut Studien aber höchstens die Hälfte der empfohlenen Menge.


Sonnenschutz kann Haut und Leben retten
 
Was muss ein gutes Sonnenschutzmittel können? Das Risikoverhalten der Anwender wenigstens bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Sonnencremes werden nämlich fälschlich immer noch als "Bräunungshilfe" angesehen und als Freibrief, möglichst lange "braten" zu dürfen.

Dilemma


Viele Menschen erwarten, dass die Anwendung von Sonnenschutzmitteln sie während exzessiven Sonnenbadens vor einem akuten Sonnenbrand schützt. Für Fachleute stellen sie dagegen eine Art Lebensretter dar, die bei moderatem Umgang mit der Sonne die Gefahr chronischer UV-bedingter Schäden, wie Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung, mindern können. (APA/red)

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    Schon jetzt warnen Mediziner vor den Folgen übermäßiger Sonneneinstrahlung

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