Posaunenchöre, Akzentlawinen

18. März 2009, 17:01
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JazzWerkstatt Wien präsentiert sich zum 5. Mal im WUK

Wien - Natürlich stehen auch wieder die berüchtigten "Acht Schätze" , gebraut aus ebenso vielen, zumeist alkoholträchtigen Flüssigkeiten, auf der Getränkekarte: Die JazzWerkstatt Wien ist dieser Tage erneut ins WUK zurückgekehrt, an den Ort, an dem vor vier Jahren alles begonnen hat.

Damals, im März 2005, hatte sich das Kollektiv junger Bandleader auf Initiative von Pianist Clemens Wenger erstmals selbst der Öffentlichkeit präsentiert. Mit Erfolg, wie man weiß: Der frisch-frechen Scheuklappenlosigkeit, mit der sich die Youngsters auf die Tradition beziehen und selbige im Dienste des individuellen Ausdrucks wieder über Bord werfen, war es geschuldet, dass Einladungen zu nationalen und internationalen Jazzfestivals einlangten. Die Idee, sich im Sinne der Eigeninitiative zu kollektivieren, machte in Graz, Bern und Berlin Schule.

Um allfälliger Routine vorzubeugen, wurde 2009 die Programmierung der WUK-Projekttage an drei noch jüngere Spunde - Leo Riegler, Georg Vogel, Nika Zach - übergeben. Wo man trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) den Eindruck gewinnen konnte und kann, dass sich der kleine Hype um die JazzWerkstatt wieder etwas gelegt hat. Wo in den letzten Jahren oft kaum ein Sitz zu ergattern war, kann man dieser Tage bequem die Hörperspektive wählen. Und: Wirklich frische, originelle musikalische Ideen waren zumindest an den vom Rezensenten besuchten Abenden nicht zu vernehmen. Viel Energie hingegen sehr wohl:

War es im Trio des erneut durch expressive saxofonistische Ausbrüche beeindruckenden Wolfgang Schiftner - mit Bassist Matija Schellander - der erst 20-jährige Schlagzeuger Lukas König, der sich mit kraftvoll pulsierendem, polyrhythmischem Spiel für höhere Aufgaben empfahl, so konnte im Quartett des wahlitalienischen US-Saxofonisten Dan Kinzelman - als Gast geladen - ein weiterer Trommler überzeugen: Armando Sciommeri befeuerte das hörenswert zwischen West-Coast- und Ornette-Coleman-Einflüssen changierende Quartett mit stimulierend vielfärbigen, dabei treibend harten Akzentlawinen.

Nicht ganz am Punkt, etwas unschlüssig zwischen strengem Kollektivsound und individueller Linienentwicklung wechselnd, war hingegen die Musik des Wahl-Kölner Quartetts "Bintobone" in der Besetzung mit zwei Posaunen (Daniel Riegler, Matthias Muche) und zwei Soundelektronikern (Leo Riegler, Sven Hahne). Dieses Konzert erlebte seine spannendsten Momente, als die Zirkularatmungsdrones der Posaunisten elektronisch zu vielstimmigen Chören multipliziert wurden. (Andreas Felber, DER STANDARD/Printausgabe, 19.03.2009)

Bis 21. 3.

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