Bemalte Unterwäsche und eine Geschäftsidee

18. März 2009, 16:50
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Diagonale-Start mit Marco Antoniazzis "Kleine Fische" - Preise für Hader, Minichmayr

Graz - Josef Hader brachte es auf den Punkt. Im Ausland wüsste man schon länger, dass die Stärke des österreichischen Kinos in Geschichten von ungewöhnlichen Menschen liegt. Schön langsam würden das sogar die Österreicher erkennen. Hader, der am Dienstagabend mit dem Großen Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet wurde, verwies mit dieser Anmerkung auf die wachsenden Marktanteile des heimischen Kinos - eine Tendenz, die sich auch 2009 fortzusetzen scheint.

Außerdem nutzte er die Gunst der Stunde, um in der List-Halle über den Preis zu improvisieren, den Elke Krystufek gestaltet hat: ein Stück bemalte Unterwäsche, das mit einem Begleittext über den Wert solcher Trophäen versehen war. In der Sockenlade, so Hader, fände er dafür sicher Platz.

Birgit Minichmayr, Haders Partnerin in der Wolf-Haas-Verfilmung, wurde als beste Schauspielerin prämiert. Damit hat die noch junge Diagonale mit "Der Knochenmann" einen ersten Erfolgsfilm zu verzeichnen. Im Mittelpunkt der Eröffnung standen allerdings die neue Festival-Leiterin Barbara Pichler und Marco Antoniazzis Spielfilmdebüt "Kleine Fische".

Pichler verwies in ihrer kompakten Rede auf den kulturellen Wert des Films, der sich nicht in Zahlen messen ließe. Dennoch dürfe der internationale Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Kino nach wie vor ein Medium unter Druck ist, bedrängt von strukturellen und finanziellen Engpässen". Man wird in den nächsten Tagen sehen, ob das Festival in der Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Begehrlichkeiten konstruktive Perspektiven anzubieten hat - die vom ORF geplante Aufkündigung des Film- und Fernsehabkommens, einem Pfeiler der Subventionierung, markiert nur die Spitze des Eisbergs.

Marco Antoniazzis Eröffnungsfilm "Kleine Fische", ab Freitag auch im Kino, fügte sich ins Bild. Denn in seinen gelungensten Passagen erzählt er vom Versuch zweier Brüder, sich in Krisenzeiten eine eigene Geschäftsidee abzuringen. Ein altmodisches Fischgeschäft in einer stillen Wiener Gasse wird herausgeputzt und mit Zusatzangeboten auf neue Zielgruppen angepasst. Wobei der jüngere Martin (Michael Steinocher) einem dogmatischen Bio-Kurs anhängt, der sich als unrentabel erweist, während sich der leichtlebigere Kurt (Volker Schmidt) als durchaus pragmatisch entpuppt.

Bis es in "Kleine Fische" jedoch zu dieser an Lebensentwürfen urbaner Twentysomethings orientierten Dynamik kommt, hält sich das Drehbuch von Antoniazzi und Gregor Stadlober zu lange mit unbewältigten Familienkonflikten auf. Die Darstellung der ungleichen Brüder bleibt etwas konturlos. Der Kurs des Films wechselt unentschieden zwischen satirischen und dramatischeren Momenten.

Das heimische Kino könnte Geschichten über eine jüngere Generation durchaus gebrauchen. Die ausgebleichten Bilder des Films, die dem Setting einen artifiziellen Anstrich verleihen, erwecken aber den Eindruck, als müsse man dieses Leben auf Distanz halten. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 19.03.2009)

  • Zwei Brüder haben eine Geschäfts-idee: Martin (Michael Steinocher, li.)
und Kurt (Volker Schmidt) - mit "Mutter" Brigitte Kren.
    foto: novotny film

    Zwei Brüder haben eine Geschäfts-idee: Martin (Michael Steinocher, li.) und Kurt (Volker Schmidt) - mit "Mutter" Brigitte Kren.

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