Wieder drohen Peitschenhiebe wegen Unsittlichkeit

18. März 2009, 16:19
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75-Jährige in Begleitung zweier Männer, die nicht verwandt sind, gesichtet: Alle drei vor Gericht - ai: "Unfassbar, dass es so etwas im Jahr 2009 gibt"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) berichtet von einem weiteren Fall von "khilwa" in Saudi-Arabien: Eine 75-jährige Syrierin und zwei junge saudische Männer sind festgenommen worden, weil sie sich in Ge­sellschaft nicht verwandter Angehöriger des anderen Geschlechts aufgehalten haben. Ihnen droht bei Verurteilung Auspeitschung und mehrmonatige Haft. "Es ist schlicht unfassbar, dass es so etwas im Jahr 2009 gibt", zeigte sich Heinz Patzelt, Generalsekretär von AI Österreich, in einer Aussendung entsetzt.

Khamisa Mohammed Sawadi und die beiden Männer, die nur unter den Namen Fahad und Hadyan bekannt sind, wurden am 21. April 2008 von Angehörigen der Kommission zur Förderung der Tugend und zum Schutz vor Un­tugend (auch "Sittenpolizei" genannt) festgenommen. Der 75-jährigen Sawadi und dem 24-jährigen Fahad drohen nun vierzig Peitschenhiebe und vier Monate Haft. Nach der Haftstrafe soll die Syrierin in ihr Heimatland abgeschoben werden. Hadyan drohen sechzig Peitschenhiebe und sechs Monate Haft.

Zu ihrer Verteidigung brachten Fahad und Hadyan vor, dass sie Khamisa Mohammed Sawadi nur Brot bringen wollten. Fahad brachte vor Gericht vor, dass er als Kind von ihr gestillt worden und somit mit ihr verwandt sei. Das Gericht akzeptierte dies jedoch nicht.

Sollte die Gerichtsentscheidung aufrecht erhalten werden, droht den Dreien die unmittelbare Auspeitschung. Auspeitschen ist in Saudi-Arabien eine geläufige Strafe. Bei Alkoholkonsum ist sie zwingend, sie kann aber zusätzlich nach Ermessen verhängt werden. Die Anzahl der Peitschenhiebe kann von mehreren Dutzend bis mehreren Tausend Hieben reichen. Die Auspeitschung wird gewöhnlich in Intervallen von jeweils zwei bis vier Wochen vollstreckt.

Da Saudi-Arabien das UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe ratifiziert hat, verstoße es durch die fortgesetzte Anwendung der Prügelstrafe fortwährend gegen seine internatio­nalen Menschenrechtsverpflichtungen, betont AI: "Nicht nur die Strafe, auch das vorgeworfene Vergehen ist absurd. Die Kriminalisierung von khilwa ist ein Verstoß gegen internationale Menschenrechtsstandards." (red)

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