Konzern zapft Kapitalmarkt an

18. März 2009, 19:09
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Bis zu 300 Millionen Euro will die Voestalpine im Rahmen einer Anleihenemission einspielen

Bis zu 300 Millionen Euro will die Voestalpine im Rahmen einer Anleihenemission einspielen. Die Linzer müssen dafür rund neun Prozent Zinsen zahlen, weil der Staat zu keiner Garantie bereit war.

Wien – Kaum blitzte die Industrie mit ihrer Forderung nach Staatsgarantien für Anleihen ab, probiert es der erste Kandidat am freien Markt – ganz ohne öffentliche Hilfe. Wie Der Standard aus Finanzkreisen erfuhr, plant die Voestalpine trotz schwierigen Umfelds eine Bond-Emission im Volumen von 200 bis 300 Mio. Euro. Genauere Angaben sind für Freitag geplant. Für die Anleihe muss die Voest tief in die Tasche greifen – die Verzinsung liegt bei 8,5 bis neun Prozent.

Zum Vergleich: Mehrere heimische Banken konnten in den letzten Wochen dank Staatshaftung Milliarden zu weniger als vier Prozent einsammeln. Ohne Hilfe läuft es weniger gut: Zuletzt wagten sich vor allem gut ausgestattete Konzerne auf den Kapitalmarkt. Henkel, mit seinen Konsumgütern weniger stark von der Rezession betroffen, holte sich eine Milliarde Euro zu knapp unter fünf Prozent Verzinsung. Autoroute de Sud de France musste wegen der schlechteren Bonitätsstufe (BBB+ nach der Ratingagentur Standard & Poor's) schon knapp 7,5 Prozent hinblättern.

Doch vor allem für den Industriesektor, der von der Krise am stärksten erfasst wird, sieht es am Anleihemarkt trüb aus. Der viertgrößte Stahlhersteller der Welt, Posco aus Südkorea, will einen 700 Mio. Dollar schweren Bond mit 9,375 Prozent platzieren. Posco wird von S&P ebenso wie Henkel mit der guten Note A bewertet, Voestalpine ist nicht geratet.

Die Posco-Emission gilt als Gradmesser für die Aufnahmefähigkeit asiatischer Anleihen. Laut der Ratingagentur Fitch sind Schuldner der Region weniger stark auf die Kapitalmärkte angewiesen, weil die Banken weniger stark von der Finanzkrise betroffen sind und nach wie vor Kredite zu erträglichen Konditionen gewähren.

Die Voest will sich mit dem Anleihenerlös einen Finanzpolster schaffen und für eine Verschärfung der Krise gerüstet sein, wie es aus Linz hieß. Dass die schlechten Konditionen vom Konzern akzeptiert werden, legt laut Analysten den Schluss auf eine weniger entspannte Lage nahe. Was von der Voest energisch zurückgewiesen wird.

Sorge um Österreichs Bonität

Dass die Linzer nicht besser wegkommen, haben sie der Regierung zu verdanken. Sie fürchtet bei einer Ausweitung des Haftungsrahmens um ihre Bonität, wie sie Industrie-Präsident Veit Sorger schriftlich mitteilte. Am deutlichsten brachte das Dienstagabend Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) in der ZiB2 zum Ausdruck. Wenn jemand der in Medien und bei Ratingagenturen schon laufenden Kritik "Vorschub leistet", dann werde Österreich gefährdet, "weil die Bonitätsdiskussion zunehmen wird und das brauchen wir nicht". Die Sorge um die Top-Bonitätsstufe AAA sei "berechtigt", erklärte der Wirtschaftsminister.

Derzeit laufe "eine Art der Kampagne gegen Österreich, was einige Medien anbelangt – und diese Kampagne hat schon ihren Niederschlag, was die Zinsen für Anleihen betrifft", meinte Mitterlehner. Deutschland bezahlt für zehnjährige Bundesanleihen 3,22 Prozent und Österreich wegen des Osteuropa-Engagements 4,32 – ein Unterschied von 1,1 Prozentpunkten. "Und", so Mitterlehner, "das heißt nichts anderes als im Klartext, dass wir 200 Millionen mehr Zinsen zahlen". (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2009)

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