Jahr eins nach Heinz Prüller im TV

18. März 2009, 15:07
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Nach mehr als 40 Jahren Ende der ORF-Tätigkeit - "Ich wäre gerne geblieben, aber man will mich nicht mehr" Nachfolger Hausleitner will keine "Kultfigur" sein, sondern informieren

Die Formel-1-Berichterstattung im österreichischen Fernsehen startet mit der kommende Woche beginnenden Saison in eine neue Ära - das Jahr eins nach Heinz Prüller. Die Reporterlegende wird die Rennen in Zukunft nicht mehr kommentieren, sein Nachfolger ist Ernst Hausleitner. Mit dieser Entscheidung hatte der ORF im Februar für einiges Aufsehen gesorgt. Im Internet haben sich sogar mehrere Plattformen für Prüller gebildet.

"Ich wäre gerne geblieben, aber man will mich nicht mehr", erklärte Prüller nicht ohne Wehmut. Der 67-Jährige wird dennoch weiterhin zu den Grand Prix reisen. "Meine Karriere als Journalist ist deswegen nicht zu Ende", versicherte Prüller, der unter anderem weiter für die "Kronen Zeitung" schreibt. Möglicherweise ist er zum Auftakt am 29. März in Melbourne sogar für einen anderen Sender tätig. "Aber lassen wir uns überraschen."

Mehr als 650 Grand Prix live übertragen

Im ORF hatte der Kult-Kommentator seit 1965 mehr als 650 Grand Prix live übertragen - in einer unnachahmlichen Art. Hausleitner tritt also kein einfaches Erbe an, wenngleich der 40-jährige Oberösterreicher nach mehreren Jahren als Boxenreporter über ausreichend Formel-1-Erfahrung verfügt. "Ich möchte keine Kultfigur werden, sondern die Formel-1-Fans bestmöglich informieren", erklärte der Prüller-Nachfolger seine Philosophie.

Als Co-Kommentator erhält Hausleitner mit dem Ex-Piloten Alexander Wurz, der als Ersatzfahrer von Brawn GP bei allen Rennen ist, einen der begabtesten Techniker der Formel 1 zur Verfügung gestellt. "Er ist sicher näher dran als alle anderen. Das ist ein großes Plus", betonte Hausleitner. Prüller zu kopieren sei aber nicht das Ziel. "Das ist unmöglich. Heinz ist ein Unikat, aber wir werden unseren eigenen Stil finden", versicherte Wurz.

Hausleitner will keine "Kultfigur" sein

Im Vorjahr hatte der Niederösterreicher gemeinsam mit Prüller zu kommentieren begonnen. "Es war eine Ehre für mich, mit ihm zu arbeiten", sagte der 69-fache Grand-Prix-Teilnehmer. Irgendwann sei aber der Zeitpunkt für Veränderungen erreicht. Die Umstellung für den TV-Konsumenten werde keine einfache, gestand Wurz. "Ich habe schon als Kind immer seine Stimme gehört - bei jedem Rennen. Das wird vielen anderen auch so gegangen sein."

Im Internet haben die Prüller-Fans sogar bereits mobil gemacht. Auf www.initiativeheinzprueller.at etwa haben in einem Monat mehr als 3.200 Menschen eine Petition für den 67-Jährigen unterzeichnet. Dessen Mailbox und E-Mail-Eingang quellen laut eigenen Angaben seit Bekanntgabe der Ablöse mit Sympathiebekundungen über. "Ich freue mich über den großen Zuspruch - obwohl ich die meisten Leute überhaupt nicht kenne", verriet Prüller.

Der ORF setzt seinen Sparkurs unterdessen auch in der Formel 1 fort. Die Rechte sind zwar bis 2011 gesichert, Hausleitner fungiert bei den Übersee-Rennen aber neben seiner neuen Tätigkeit auch als Präsentator. "Das zeigt unser Sparbewusstsein. An Qualität werden die Übertragungen dadurch nicht verlieren - ganz im Gegenteil", versprach ORF-Sportchef Hans Huber. (APA)

  • Prüller: "Ich wäre gerne geblieben, aber man will mich nicht mehr"
    foto: standard/hendrich

    Prüller: "Ich wäre gerne geblieben, aber man will mich nicht mehr"

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