Videoblog von Hans Rauscher

Herbert Paierl: "Verdoppelung der Arbeitslosigkeit bis Jahresende"

18. März 2009, 16:06

Der Präsident des Management Clubs und Fast-Wirtschaftsminister rät der Politik von Beschwichtigungsrhetorik zur Finanzkrise ab

Herbert Paierl ist ein vielbeschäftigter Mann. Er war Landesrat in der Steiermark, ist Vorstand der Unternehmens Invest AG, sitzt in diversen Aufsichtsräten und ist Präsident des Management Club Österreich. Dass er als Berater von Finanzminister Pröll agiert, dementiert Paierl zwar im Gespräch mit Hans Rauscher, räumt jedoch ein, dass er über den Club versuche, "sachliche Argumente zusammenzutragen und weiterzutransportieren".

Gegen Beschwichtigungsrhetorik

Im Gespräch über die Finanzkrise zeichnet Paierl ein düsteres Bild zum weiteren Verlauf und spricht sich gegen die Verwendung einer Beschwichtigungsrhetorik aus. In gewissen Sektoren gäbe es nur mehr eine Auslastung von 20 Prozent, da stellt sich für den Wirtschaftsexperten die Frage, wie weit diese Strukturen noch aufrecht erhalten werden können. Denn nach einer "Schocksekunde" würden mit Sicherheit Kostenreduktionen kommen, was gleichzusetzen mit Personalreduktionen sei: "Wir müssen uns darauf einrichten, dass es gegen Ende des Jahres zu einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit in Europa und natürlich auch in Österreich kommen wird."

Staatshilfe auch für Klein- und Mittelbetriebe

Erstbetroffen sei der Export, weil hier eine gravierende globale Umsatzreduktion statt gefunden habe, wobei sich das nicht nur auf den Automobilbereich beschränke.  Bereits vor einem Jahr habe man festgestellt, dass eine schwere Rezession bevor stehe. Man sollte von staatlicher Seite jetzt nicht nur den Banken helfen, wenn um die Ecke die Klein- und Mittelbetriebe eingehen, weil sie keine Kredite mehr bekommen.

"Geschützter Sektor" gegen "ungeschützten"

Der Manager plädiert in Zeiten der Krise für mehr Solidarität zwischen den einzelnen Bereichen: "Wenn die Sozialpartnerschaft in der Zukunft Sinn machen soll, wird es auch hier einen neuen Boden geben müssen." Paierls "große Angst": Dass es zu einer verstärkten Auseiandersetzung zwischen dem "geschützten Sektor" der Beamten und dem "ungeschützten Sektor" der Privaten kommt.

Solidarität, sonst "politische Verwerfungen"

Zur Krise müssten alle ihren Beitrag leisten müssen, betont Paierl. Alles andere würde zu "politischen Verwerfungen" führen. Die Frage, ob es zu Null-Lohnrunden für Beamte und Pensionserhöhungen unter der Inflationsrate kommen könnte, beantwortet er so: "Es gibt nur zwei Quellen, die den öffentlichen Sektor finanzieren. Die eine ist der Steuerzahler, den haben wir gerade entlastet. Die zweite ist der internationale Finanzmarkt - und hier darf man sich nicht spielen."

Wolf nicht Bär

Die Politik müsse jetzt klar machen, dass alle in einem Boot sitzen, wobei sich Paierl von Regierung und Opposition mehr "Krisenwording" wünschen würde. Man müsste den Leuten klar machen: "Es wird ganz schlechte Wetterbedingungen geben, aber geht raus und bewegt euch wie ein hungriger Wolf und nicht wie ein Bär im Winterschlaf."

Gegenfrage

In der Gegenfrage möchte Herbert Paierl von Hans Rauscher wissen, wie er mit der Krise umgeht. Die Antwort findet sich am Ende des obigen Videos. (rasch, derStandard.at, 19.3.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Waldy Osterhas
00
26.3.2009, 17:52
... geht raus und bewegt euch wie ein hungriger Wolf

Das passiert ja schon. In manchen Städten darfst du als Pensionist hierzulande kaum mehr ohne (schwer bewaffnete) Begleitung auf die Strasse.
;-)

flotter denker
00
20.3.2009, 12:37
Solidaritaet ist fein.

Nur will halt ein jeder, dass die Anderen mit ihm solidarisch sind. Umgekehrt ist es halt viel unangenehmer.

Sir George
00
20.3.2009, 11:41
Gitterstäbe

In welchem Gefängnis wurde Hr. Paierl interviewt?

herbert6024
00
20.3.2009, 12:44
kogler?

schaut nach peter-kogler-gefängnis aus.

NoPod
00
20.3.2009, 11:13
Der Riese und der Zwerk

Interessante Perspektive ;)

NoPod
00
20.3.2009, 11:26

Oh Zwerg heißt das natürlich!

Stelio Cotugno
 
00
20.3.2009, 08:55
Wetterbedingungen

"Es wird ganz schlechte Wetterbedingungen geben, aber geht raus und bewegt euch wie ein hungriger Wolf und nicht wie ein Bär im Winterschlaf."
Na wenn das nicht der Mut der Verzweiflung ist ! ;)

Ava Tar
00
20.3.2009, 08:06
Irgendwie schnappt das Video am Schluß ab

knapp bevor sich nun Paierl vor Lachen am Boden wuzelt ;o)

Cuchullain
00
20.3.2009, 07:37
"Es wird ganz schlechte Wetterbedingungen geben, aber geht raus und bewegt euch wie ein hungriger Wolf und nicht wie ein Bär im Winterschlaf.""

Einem hungrigen Wolf möchte ich nicht begegnen!
... aber vermutlich wird's so kommen!

wallace01
01
19.3.2009, 21:53
Verdammt

Das Schlimme ist dass er wahrscheinlich recht hat.

lessismore
00
20.3.2009, 00:52

Nein, das Schlimme ist, daß es nicht notwendig ist.

Sabine Engelmuh-Zinnerli
12
19.3.2009, 20:45
Bedingungslose Grundsicherung!

Damit der Pfusch sich wieder lohnt!

spoiled ballot
00
19.3.2009, 19:57
so endlich daheim

die ganzen rumstreunenden wölfe da draußen, die sich mit aasgeiern, hyänen und ratten um die reste streiten,
sind eine qual.

lessismore
00
19.3.2009, 20:45

Es war einmal ein berühmter Politiker, der sich gern "Wolf" nennen ließ, wie hieß der noch?

Punkcow
00
20.3.2009, 10:33
Dieser Politiker hieß sogar "edler Wolf" (= Wortbedeutung des Vornamens "Adolf")

adal (edel) + wolf (Wolf) = Edelwolf

Spi an
00
19.3.2009, 19:14
der nächste unnödige exberde

kampfrethorik, passert zu steinbrück

derökonom
00
19.3.2009, 17:41
das ist alles doch

nur gefassel.

alles müssen verzichten. tolle lösung. schon mal was von binnennachfrage gehört? diese ist eine der letzten bastionen im moment. paierl möchte diese anscheinend stürmen.

Just Now
00
19.3.2009, 18:55

..ich wage zu behaupten, sie sind in dieser frage einfach kräftig überfordert!..paierl hat vollkommen recht!..und den namen:-derökonom...können sie sich abschminken!-weil sie einfach nichts von dieser sache vertstehen!

Nik M
12
19.3.2009, 17:12
Diese Arbeitslosigkeit!

Meine Herren, das ist sehr schwierig
Mit der Arbeitslosigkeit.
(...)
Dabei ist sie so beschwerlich
Und es wäre auch höchste Zeit!
Dabei darf man nicht einmal
Sagen, sie sei unerklärlich
Denn das ist ja auch fatal
Das verschafft uns nämlich schwerlich
Das Vertrauen bei den Massen
Und das ist uns unentbehrlich.
Man muss uns gewähren lassen
Denn d a s wäre g a n z gefährlich
Jetzt das Chaos zu entfachen
In so ungeklärter Zeit!
So etwas darf man nicht machen
Bei d e r Arbeitslosigkeit!
Oder was ist Ihre Meinung?
Passen würd uns in den Kram
Diese Meinung: Die Erscheinung
Wird verschwinden wie sie kam.
Aber die erzählt uns hier nicht:
Unsere Arbeitslosigkeit
Geht nicht eher weg, eh Ihr nicht
Arbeitslos geworden seid!

Berthold Brecht

Walter Kaiser
00
20.3.2009, 13:24
Wen meinens ...

... Herbert Paierl ist ein vielbeschäftigter Mann ...?

europa fassen
08
19.3.2009, 16:28
Solidarität ?

Wo war die Solidarität in den Jahren des Booms? Da wurden die Gewinne voll eingestreift und nix an die Arbeitnehmer weiter gegeben. Ich erinnere an die vielen Jahre der Reallohneinbußen.

Und genau die, die damals alles in die eigenen Taschen wirtschafteten, wollen jetzt in der Krise die Solidarität der Unselbständigen.

Ich glaub' der spinnt!!

Harry Y.
 
00
19.3.2009, 23:44
Wo ist die Solidarität

überhaupt?
Wo war denn, oder ist, die Solidarität mit den Armen? (ÖVP: 'unter Arbeitslosen gibt es keine Armut: die haben Verwandte oder pfuschen...') Wo sind Mietgesetze, die eine solche Solidarität spüren ließen? Wo eine anständige Grundsicherung oder -einkommen? Wo anständige Löhne für beispielsweise Hilfsarbeiter oder Supermarkt-
angestellte? Wo die gleiche Bildung für alle in gemeinsamen Klassen? Wo eine Schul- und Bildungsreform? Wo die Möglichkeiten des beruflichen Weiter- und Herauskommens durch Fortbildung?

Peter Hammer 06
00
19.3.2009, 17:04
In Boom-Jahren wurde auf Teufel komm' raus....

...geraunzt und mit "...wir müssen das Geld INVESTIEREN sonst sind wir in Zukunft nicht wettbewerbsfähig", wurde der Boom um 1/2 % geringer war ohnehin der Untergang ante portas.

europa fassen
01
19.3.2009, 17:31
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern...

Und ich erinnere daran, dass damals auf jede Belebung der Binnenkaufkraft geschi**en wurde. Der Export war der Altar dem alles andere geopfert werden musste.

Jetzt, wo die Weltwirtschaft lahmt, geht der Schuss nach hinten los, weil das Geld für den Wirtschaftkreislauf weg ist.
- Die einen haben keines, weil sie keine adäquate Löhne bekommen, oder mit Kurzarbeit kaum mehr die Miete zahlen können.
- Die anderen haben's auf der hohen Kante - irgendwo in Übersee - und wollen ja nichts her geben.

Chris Quast
00
22.3.2009, 02:22

was wollens denn mit der binnenkaufkraft ?

was hätte man sich denn in diesen tagen noch alles kaufen sollen ? die 3. urlaubsreise, das 2.auto ?

was noch gegangen wäre, wären staatliche infrastrukturmaßnahmen, aber der konsum der inlandsnachfrage kreierte war eher am maximum angelangt. der rest wäre ins ausland gegangen.

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