Coca-Cola wird Testfall für Chinas Marktöffnung

18. März 2009, 19:05
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Mit den Expansionsplänen in der Volksrepublik wird doch nichts - Peking untersagt den Kauf des Fruchtsaftherstellers Huiyuan

China hat die Übernahme des Fruchtsaftherstellers Huiyuan durch Coca-Cola verboten. Die 2,3 Mrd. Dollar schwere Akquisition hätte kleinere, inländische Mitbewerber gefährden können, heißt es in der Urteilsbegründung. 

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Peking - Peking hat die Übernahme des größten chinesischen Fruchtsaftproduzenten Huiyuan durch den US-Getränkekonzern Coca-Cola wegen unerwünschter Monopolbildung verboten. Die Entscheidung, die ein Testfall für Chinas im August 2008 eingeführtes Anti-Monopolgesetz ist, hat an der Hongkonger Börse und bei ausländischen Unternehmern in China Beunruhigung hervorgerufen.

Der Präsident der EU-Handelskammer, Jörg Wuttke, kritisierte das Verbot wegen mangelnder Transparenz in der Urteilsbegründung. Vorwürfe gegen Coca-Cola seien nur pauschal erhoben worden. Es stelle sich daher die Frage, ob China über das Anti-Monopolgesetz eine neue Zugangshürde gegen Auslandsinvestoren errichte. Die EU-Kammer hatte in ihrem Jahresbericht bereits von ihrer Sorge über einen "ökonomischen Nationalismus" geschrieben.

Chinas Handelsministerium hat die Ablehnung der 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Mrd. Euro) schweren Übernahmevereinbarung Coca-Colas mit Huiyan auf seiner Website veröffentlicht. In der kurzen Begründung des seit September 2008 beratenen Falles heißt es, dass die Übernahme "Nachteile für den Wettbewerb" bringe. Coca-Cola könnte seine Dominanz am Limonadenmarkt nützen, um über den Fruchtsaftvertrieb sein Monopol zum Nachteil des Verbrauchers durchzusetzen, so das Ministerium. Coca-Cola könnte so höhere Preise für weniger Produkte erzielen und die Existenz inländischer, kleinerer Mitbewerber gefährden, fürchtete die Behörde.

Der Kauf von Huiyuan wäre die bisher größte Akquisition eines chinesischen Marken-Unternehmens durch einen ausländischen Investor gewesen. Vermittlungsgespräche mit Coca-Cola über eine eingeschränkte Übernahme von Huiyuan hätten kein Ergebnis gebracht, so das Ministerium.

Stimmung gegen den Deal
Im Online-Portal von sina.com gaben über 66.000 Teilnehmer ihre Stimme zu Fragen zum Verbot ab. 73,1 Prozent befanden, dass das Übernahmeverbot richtig war, nur 23 Prozent fanden es falsch. Europäische Unternehmen hatten seit Herbst beobachtet, dass der Fall im Internet die Emotionen der Bevölkerung gegen den Deal hochkommen ließ. 72,8 Prozent glauben laut der Befragung, dass sich das Verbot nicht auf Auslandsinvestitionen auswirken wird, 17,4 Prozent befürchten hingegen Folgen. Allerdings glauben nur 43 Prozent, dass sich das Verbot vorteilhaft für Huiyuan auswirken werde. Fast 30 Prozent meinten, dass es dem Konzern schaden werde.

Coca-Colas Angebot war von allen Teilhabern der Huiyuan-Gruppe angenommen worden. Firmen-Vorstandschef Zhu Xinli hatte Verunglimpfungen zurückweisen müssen, dass er mit dem Verkauf seiner 1992 gegründeten Marke "Vaterlandsverrat" begehe. Gruppen chinesischer Saftproduzenten machten Druck gegen den Deal, der angeblich Coca-Cola zum Herrscher über 60 Prozent des Fruchtsaftmarktes gemacht hätte.

Tatsächlich wäre Coca-Cola, das 52 Prozent Marktanteil bei kohlensäurehaltigen Limonaden hat, durch die Übernahme von Huiyuan auch zu einem der Hauptproduzenten im lukrativen Saftmarkt Chinas geworden und hätte den Konkurrenten Pepsi noch weiter an den Rand drängen können. (Johnny Erling, Peking, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2009)

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    eking ließ Coca-Cola beim Versuch der Übernahme des chinesischen Fruchtsaftkonzerns Huiyuan gegen die Wand laufen und hat den 2,3 Milliarden Dollar schweren Deal untersagt.

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