Rektor zur Beruhigung gesucht

18. März 2009, 19:17
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Neun Kandidaten präsentieren bis Freitag Konzepte für zukünftige Führung

Innsbruck - Nach der Abberufung von Ex-Rektor Clemens Sorg durch den Uni-Rat im August 2008 wegen - offiziell - "grober Pflichtverletzungen" ist der Senat der Medizin Uni unter Vorsitz von Michael Joannidis seit Herbst wieder auf Rektorensuche. Nach dem Rundumschlag von Sorg in hauptsächlich deutschen Medizinerkreisen setzt Joannidis beim neuen Rektor auf "Beruhigung" an der Med-Uni. Die "Job-Description" ist anspruchsvoll: Nach Streitigkeiten um eine Harninkontinenztherapie, die nicht von der Ethikkommission genehmigt worden war - zeitgleich mit Sorgs Enthebungsverfahren - sei eine "Imagekorrektur" genauso gefragt wie "Kommunikation" , also "Befriedung" mit dem Krankenanstaltenträger Tilak. Gespräche zwischen Klinik und Uni seien nicht immer optimal verlaufen.

"Leadership-Qualitäten"

Joannidis wünscht sich einen Rektor mit "Leadership-Qualitäten" und "hoher Teamfähigkeit" : "Dazu braucht es idealerweise ausgewogene Kenntnisse der Uni Innsbruck und des Gesundheitswesens." Joannidis gibt sich betont vorsichtig: "Wir hoffen, dass der neue Rektor mindestens eine Amtsperiode, also vier Jahre, im Amt bleibt" , meint Michael Joannidis, der Vorsitzende des Innsbrucker Uni-Senats. Immerhin sei auch Sorgs Vorgänger, Hans Grunicke, vorzeitig aus dem Amt ausgeschieden. Noch bis Freitag stellen sich neun der zehn Bewerber öffentlichen Hearings um den prominenten Job an der Innsbrucker Med-Uni. Vertreter des Uni-Senates, der bis spätestens 30. März einen Dreier-Vorschlag aus den Bewerbungen filtern soll, hören den Plänen der Kandidaten zu. "Sollten wir einen Bewerber noch einmal treffen wollen, dann werden wir ihn auch an seinem Arbeitsplatz besuchen" , erklärt Joannidis seine Kandidatensuche. Der Uni-Rat - der den Rektor aus dem Dreiervorschlag des Senates ernennt - habe versprochen sich während der Hearings "ruhig zu verhalten" , so Joannidis. Inoffiziell dürften Vertreter des Uni-Rates aber bereits in Diskussionen um die Besetzung des Rektorsposten eingebunden sein.

Unter den neun Bewerbern, auch aus der Schweiz und Deutschland, gibt es zumindest zwei Innsbruck-Kenner: Die Vize-rektorin der Med-Uni und einzige Frau beim Hearing, Margarethe Hochleitner, führte bereits unter Sorg die Personalgeschäfte.Sie leitet derzeit mit Interims-Rektor Manfred Dierich die Uni. Und Peter Fritsch, bereits pensioniert, war langjähriger Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie. Beide stünden sofort zur Verfügung, sollten sie es in den Dreiervorschlag schaffen. (ver/DER STANDARD-Printausgabe 19. März 2009)

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