"Bio-Viagra" scheinbar nur Zeitungsente

18. März 2009, 14:36
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Was nach einer medizinischen Revolution klang, ist laut Experten das Ergebnis einer unseriösen Studie - Deutscher Medizinstudent wird für "PR-Coup" harsch kritisiert

"Plantagrar" sollte das neue Mittel zur Luststeigerung für Männer heißen, über das Anfang der Woche mehrere deutsch-sparchige Online-Medien und Zeitungen berichteten. Der Hintergrund: Im März 2010 sollte in Deutschland ein pflanzliches Potenzmittel auf den Markt kommen, das wie Viagra sexuelle Lust versprach, ohne aber dessen Nebenwirkungen zu haben, wie mehrere Presseagenturen berichteten. Olaf Schröder vom Institut für Transfusionsmedizin der Berliner Charite hatte erklärt, der Pflanzenmix hätte in einer ersten Studie seine Wirkung bereits "hervorragend bestätigen" können. Noch bis Ende Oktober wäre eine zweite Studie mit "Plantagrar" am Laufen. Danach sollte laut Schröder einer Markteinführung nichts mehr im Wege stehen - eine Sensation - aber mit mehreren großen Haken, wie der Spiegel online nun herausfand.

Laut Recherchen von Spiegel online ist der angebliche Mediziner der Charité kein Arzt, sondern Student und auch als PR-Berater und Lobbyist für die Pharmaindustrie tätig. Außerdem sei die wissenschaftliche Studie von Schröder unseriös, weil er seinen Probanden kein Viagra verabreicht habe - eine Voraussetzung um den Vergleich zum Potenzmittel ziehen zu können. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte will den Vorfall nun prüfen. Die Charté habe sich laut dem Bericht vom Vorgehen Schröders distanziert.  Auch die propagierten geringen Nebenwirkungen sollen weniger harmlos sein, als berichtet: Schröder hat gegenüber Spiegel online eingeräumt, dass es in sieben Fällen zu "explosionsartigem" Durchfall gekommen sei. (red, derStandard.at)

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