Starke Suizidgefahr nach Urteilsverkündung

18. März 2009, 14:06
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Wien - Für den Vorarlberger Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller kam das Geständnis von Josef F. nicht überraschend. "Ich habe in irgendeiner Art und Weise mit einem Zusammenbruch gerechnet", erklärte der Experte. Entscheidend für F.s Geständnis waren seiner Meinung nach die gestrige Präsentation des neonatologischen Gutachtens sowie die Video-Aussagen der Tochter. "Da kamen sicher schlimme Dinge zum Vorschein", so Haller.

Vielleicht wollte er reinen Tisch machen, vielleicht habe er die Aussichtslosigkeit seiner Situation erkannt, so Haller. "Ein Geständnis hat immer einen reinigenden Effekt." Inwiefern taktische Gründe F.'s Entscheidung beeinflussten, wolle er nicht beurteilen.

Starke Suizidgefahr

Haller warnte jedoch auch, davor dass bei Josef F. starke Suizidgefahr gegeben sei. Besonders nach der Urteilsverkündung, wenn über den Angeklagten die Strafe verhängt wird, seien hier Vorkehrungen zu treffen.

"F. hat durch die Video-Erzählungen die Situation aus der Perspektive des Opfers erlebt", sagte der Psychiater. Vielleicht sei dadurch die Fassade gebröckelt. Falls die Tochter tatsächlich der Verhandlung beiwohnte, könnte auch ihre Präsenz zum Sinneswandel beigetragen haben. "Die Anwesenheit könnte Druck auf ihn ausgeübt haben", so der Experte.

Auch das Alter von Josef F. könnte eine Rolle gespielt haben: Für einen älteren Menschen sei es schwieriger stark zu sein und eine Fassade aufrecht zu erhalten als für einen jungen. Haller hätte das dem Angeklagten zugetraut. Immerhin habe F. Jahrzehnte lang ein Doppelleben geführt. Es hätte daher ebenso sein können, dass der Angeklagte seine "Mauer" noch eine weitere Woche - die Prozesswoche - lang aufrechterhalten hätte. (APA)

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