Die nackte Gier der Manager

18. März 2009, 13:39
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Für das desaströse Jahr 2008 zahlte der US-Versicherer AIG 165 Millionen Dollar an Manager-Boni, die Volksseele brodelt - zu Recht

Sie spazierten weder über den Hudson River, noch wandelten sie Wasser in Wein um - im Gegenteil. Durch ihre Fehl-Spekulationen gingen ganze Unternehmen den Bach hinunter. Dennoch kassierten Manager in den USA satte Boni. Doch die "goldenen Fallschirme" soll es in Zukunft nicht mehr geben, kündigte Barack Obama vor wenigen Wochen großmundig an: Im Kampf gegen die Finanzkrise nahm der US-Präsident hoch bezahlte Wall-Street-Banker ins Visier. Manager von Finanzfirmen, die "außergewöhnliche Staatshilfen" erhielten, sollten künftig höchstens 500.000 Dollar im Jahr verdienen dürfen.

Der Aufschrei war groß, hatten doch zahlreiche Banker die jährlichen Ausschüttungen fest in ihren Finanzhaushalt eingeplant. Jetzt fehlt ihnen das Geld an allen Ecken und Enden. Mitleid ist dennoch nicht angebracht. Denn: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, wie das jüngste Beispiel des Versicherungsriesen American International Group (AIG) zeigt. Der Konzern hat den Zorn Washingtons auf sich gezogen, als er Gehaltszuschläge für Mitarbeiter der Finanzsparte bekanntgab. Ausgerechnet jener Abteilung, deren waghalsige Geschäfte 2008 für einen - in der US-Geschichte einzigartigen - 100-Milliarden-Dollar-Verlust verantwortlich waren.

Die US-Regierung hat dem Finanzkonzern seit September mehr als 170 Milliarden Dollar überwiesen, um dessen Konkurs zu verhindern. Washington hat auch keine andere Wahl. Die Pleite von AIG würde weltweite Schockwellen unvorstellbaren Ausmaßes mit sich ziehen. Für die Raffgier der Manager allerdings findet keiner drastischere Worte als einer der wichtigsten Republikaner im Finanzausschuss, Charles Grassley: Die Manager würden in seinem Ansehen steigen, wenn sie dem japanischen Beispiel folgten und sich öffentlich mit einer tiefen Verbeugung entschuldigten. "Danach sollten sie eines von zwei Dingen tun: Zurücktreten oder Selbstmord begehen."

Und Obama? Der Präsident wird nicht umhin kommen, Fehler zu verantworten. Noch ist er die Antwort schuldig geblieben, warum er oder sein als Wunderknabe gefeierter Finanzminister Timothy Geithner nicht früher gehandelt haben. Der Vermerk, dass es sich bei den Vereinbarungen mit AIG um eine stinkende Hinterlassenschaft von George W. Bush handelt, hält nicht: AIG hat die Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar vergangenes Wochenende  ausgezahlt und 73 Personen dadurch zu Millionären gemacht. Elf von ihnen arbeiten heute nicht einmal mehr für das Unternehmen.

Auf Obama kommt eine erste ernsthafte Bewährungsprobe zu - denn der amerikanische Steuerzahler kocht vor Wut. Zu Recht. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 18.3.2009)

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    Nachdem der US-Versicherer AIG Bonuszahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar an seine Manager gezahlt hat, regt sich Unmut im amerikanischen Volk.

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