Gerichtsbesuch der Tochter könnte bei Verarbeitung helfen

18. März 2009, 13:40
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Traumabetroffene greifen auf verschiedene Strategien zurück - Zu sehen, wie sich der Vater verhält, wie es mit ihm weitergeht, seien mögliche Beweggründe

Wien  - Ob die 42-jährige Tochter von Josef F. an der Verhandlung tatsächlich teilgenommen hat, ist noch bestätigt. Sollte die Frau dem Prozess beigewohnt haben, dürfte das laut Psychologin Ulrike Steiger-Hirsch ein wichtiger Teil der Aufarbeitens ihres Martyriums sein. 

War sie dort, hatte sie vermutlich das Bedürfnis, das zu tun - und zwar für sich, erklärte die Expertin des Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP). Die 42-Jährige befinde sich in einer einzigartigen Situation, in der sie ungeheuer viel verarbeiten müsse. Die Strategien dafür müsse sie sich erst erarbeiten, und das unter der Direktion des enormen Medienandrangs. Steiger-Hirsch: "Die Frau ist jetzt in einer Entwicklung, die nicht einfach ist und wirklich sehr schmerzhaft."

"Es ist vielleicht ein kleiner Schritt", so die Expertin. "Traumabetroffene greifen auf verschiedene Strategien zurück. Während mancher sich zurückzieht, geht der andere in die Offensive."

Zu sehen, was aus dem Vater wird, wie es mit ihm weitergeht, seien mögliche Beweggründe. Genauso könnte es für die 42-Jährige auch wichtig gewesen sein, selbst etwas über den Prozess zu erfahren. "Vielleicht ging es ihr auch darum, diesen ganzen Rahmen zu erleben und zu beobachten, wie Josef F. sich tut", betonte die Psychologin.

Konkrete Motive für einen möglichen Besuch seien aber nicht einschätzbar. "Das weiß vermutlich nur die Betroffene", so Steiger-Hirsch. "Menschen sind verschieden, jede hat unterschiedliche Arten mit Situationen umzugehen." Grundsätzlich könnte ein solcher Besuch positive Folgen haben.

 

 

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