Zerstörung des Kölner Archivs nicht abschätzbar

18. März 2009, 12:54
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Allein die Bergung der Archivalien könnte sechs bis neun Monate dauern

Köln - Das Ausmaß der Zerstörung von Kulturgütern aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv ist nach Angaben der Leiterin noch lange nicht abschätzbar. "Allein die Bergung der Archivalien wird Schätzungen zufolge etwa sechs bis neun Monate dauern", sagte Bettina Schmidt-Czaia in einem Gespräch mit der dpa in Köln. Erst dann werde man einen Überblick darüber haben, welche Dinge für immer verloren seien.

Die Mitarbeiter der Feuerwehr bergen zurzeit täglich Schriftstücke aus den Trümmern, von denen einige gut erhalten seien. "Viele Funde sind für uns sehr Mut machend, weiter zu suchen." So seien etwa einige alte Handschriften-Bestände nahezu unbeschädigt wieder aufgetaucht, sagte Schmidt-Czaia. Von vier wiedergefundenen Bänden der Chronik des Ratsherrn Hermann von Weinsberg sei nur einer stark beschädigt. Auch zwei Handschriften des Kirchenlehrers Albertus Magnus und Teile des Nachlasses des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer wurden geborgen. Gefunden wurden auch mehrere Schreinsbücher, eine Art mittelalterliche Grundbücher. "Wir freuen uns über jedes einzelne Stück, das wir finden", sagte die Archiv-Leiterin.

Zurzeit seien ständig 40 bis 50 Mitarbeiter damit beschäftigt, geborgene Güter zu sichten und zu reinigen. Vor allem die Nässe mache Probleme. "Bei der Erstbegutachtung wird entschieden, was man per Hand trocknen kann und was nicht." Teilweise würden einzelne Seiten mit Mull eingewickelt, um ihnen die Feuchtigkeit zu entziehen.

Alles, was nicht auf diese Weise getrocknet werden kann, müsse einem Spezialverfahren, der Gefriertrocknung, unterzogen werden. Dieser Prozess dauere zwei bis fünf Jahre. "Erst dann kann die eigentliche Arbeit beginnen." Die Restaurierung des gesamten Archivbestands werde mindestens 30 Jahre dauern. (APA/dpa)

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