"Kostenfalle" Mitarbeiter

18. März 2009, 12:33
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Tagesproduktion statt Nachtarbeit, weniger Überstunden oder Ausdehnung der Arbeitszeit: Die Arbeitspläne der Mitarbeiter bergen oftmals Sparpotenzial

Wien - Ein Beispiel, das Johannes Gärtner gerne erzählt, ist das von der britischen Feuerwehr. Dort habe man sich angeschaut, ob es dann, wenn die Feuerwehrleute einsatzbereit sind, auch Bedarf gibt. Da stellte sich nach ausgiebiger Analyse heraus, so Gärtner, dass es eine gewisse Brand-Häufigkeit zu bestimmten Tageszeiten gäbe. "Die nutzten diese Erkenntnis wirklich für einen Innovationsschub", sagt der Chef des Wiener Beratungsunternehmens Ximes. Was die "firefighters" nämlich taten: Sie glichen ihre Dienstzeiten mit dem Bedarf nach ihren Diensten ab. Das Gute an der Sache: Das Potenzial, das damit frei wurde, wurde in die Prävention gesteckt, sagt Gärnter. Die Feuerwehrmänner sind seither gewissermaßen damit beschäftigt, ihre traditionelle Arbeit überflüssig zu machen, indem sie schon im Vorfeld ansetzen. Eine Verbesserung für alle Beteiligten also, gegen den vermutlich auch die Feuerwehrmänner nichts einzuwänden hatten.
Nicht alles, was Johannes Gärtner in seinem Berufsfeld anzubieten hat, stößt in der Belegschaft der Kunden auf gleiches Wohlwollen. Gärtner hat sich als Berater nämlich auf das Thema Arbeitszeitoptimierung spezialisiert. Beim jeweiligen Kunden werden zum Beispiel Schichtpläne auf ihre Auswirkungen abgeklopft. "Da kann es sein, dass bei der Verkürzung von Schichten durch die Anlauf- und Auslaufkosten einer Schicht die anteiligen Kosten an der Produktion erheblich steigen", rechnet Gärtner vor. So etwas fällt für den Berater unter "Kostenfalle". Und solche gilt es - zumal in Zeiten wie diesen - tunlichst zu vermeiden, so sein Credo.

Arbeitspläne unter der Lupe

Möglich ist das durch genaue Analyse und entsprechende Änderungen in den Arbeitsplänen der Mitarbeiter. Fragen, die sich der Berater in diesem Zusammenhang stellt: Ist es besser, eine Woche durchgehend die Produktion zu stoppen, oder mit der Produktion vermehrt in den Tag hineinzugehen? Ein Nachtzuschlag von 30 Prozent macht diesen Schritt vielleicht überlegenswert. Oder wie sieht es mit der Ausdehnung der Arbeitszeit Richtung zwölf Stunden aus? Da gelte es zu bedenken, dass die Belastung der Arbeitnehmer steige. Vielleicht würden im Endeffekt im Unternehmen zwei Drittel mehr verdienen und ein Drittel den Job verlieren.

Johannes Gärtner weiß aus Erfahrung, dass es da einiges zu tüfteln gibt. Welches Ziel die Firmen letztendlich erreichen wollen, hat der Kunde selbst zu entscheiden. "Im glücklichen Fall", so Gärtner, "bringt das gewonnene Potenzial auch eine Verbesserung für die Mitarbeiter. Für ein Unternehmen kann sich eine Optimierung in Zahlen durchaus im zweistelligen Prozentbereich bewegen - sei es mehr Effizienz, mehr Produktion, genug Personal in Stoßzeiten, aber kein überflüssiges in Stehzeiten. Im weniger glücklichen Fall - für die Belegschaft - wird auch das Potenzial von überflüssigen Mitarbeitern ausgemacht. Vielleicht können aber auch durch Umbau statt Abbau Arbeitsplätze gerettet werden, weil man produktiver und damit wettbewerbsfähiger wird. "Es geht darum, dass wir das transparent machen und Möglichkeiten offen legen", sagt er. "Entscheiden muss dann der Kunde."

Rasche Erstaufnahme

Dem Berater auf Gedeih und Verderb ausliefern, müssten die Kunden sich nicht, sagt Gärtner. "Wir bieten an, für einen Vormittag vorbeizukommen, und wenn sich dann herausstellt, das ist nicht das, was sich der Kunde vorstellt, dann bleibt es eben dabei." Auch wer befürchtet, sich für eine Analyse in ein Endlos-Projekt stürzen zu müssen, wird beruhigt: "Da kann es schon passieren, dass ich am Morgen komme und am frühen Nachmittag, nach Zahlen, die mir der Kunde gibt, eine erste Einschätzung treffe."

Es kann aber auch sein, dass Gärtner sich mit seinem Team Vorschläge überlegt, die in der Belegschaft auf so wenig Zustimmung stoßen, dass wenig Chance auf Umsetzung besteht. Stichwort: Überstundenabbau, weniger gut bezahlte Schichten. Dann braucht es wohl noch jemanden, der den Mitarbeitern die mit solchen Änderungen vielleicht zu gewinnende Freizeit und Lebensqualität glaubhaft verkauft. (Regina Bruckner)

 

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    Auch wenn die Mitarbeiter nicht "auf der faulen Haut liegen", das eine oder andere Schräubchen ließe sich vermutlich da und dort im Sinne der Effizienz drehen.

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