Kopf wünscht sich rein gebührenfinanzierten ORF

18. März 2009, 12:14
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"Derzeit illusionär" - Über "Redimensionierung" zu erreichen - Gebührenerhöhung ausgeschlossen - Vierköpfiger Vorstand und Aufsichtsrat mit acht bis zehn Personen als Ziel

"Eigentlich" wünsche er sich einen ORF, der als öffentlich-rechtliche Anstalt nur mehr über Gebühren finanziert wird, sagte ÖVP-Mediensprecher Karl-Heinz Kopf am Mittwoch im Management Club in Wien. Das sei zwar aufgrund der Kostenstruktur des ORF "derzeit illusionär", es wäre aber "lohnend, darüber nachzudenken". Höhere Seherbeiträge schweben Kopf aber nicht vor: "Die heutige Gebührenhöhe ist nicht steigerbar", sagte er.

Der ORF sei "natürlich überdimensioniert". Das liege auch daran, dass er mit acht Millionen Österreichern nur ein Zehntel des Seherpotenzials der deutschen Sender habe - was aus Kopfs Sicht staatliche Hilfen rechtfertigen würde. Kopf sind aber speziell die an private Stationen erinnernden Sendungen und die Werbeorientierung ein Dorn im Auge. Der ORF komme dem öffentlich-rechtlichen Auftrag "nicht ausreichend nach", "speziell im Fernsehen" sei die Hälfte des Programms "verwechselbar mit Privaten". "Ich wünsche mir eine Rückführung der Werbeeinnahmen" und parallel dazu "der Kosten", so Kopf. Über so eine "Redimensionierung" könnte der ORF nach einem "mehrjährigen Prozess" mit den Gebühreneinnahmen auskommen.

"Bedrohlich für den ORF"

Obwohl der ORF aber seine Sendungen auf Reichweite auslege, um Werbung zu generieren, gehe die Reichweite ständig zurück, vermerkte der ÖVP-Mediensprecher. Es sei "bedrohlich für den ORF", dass einige Firmen, auch Markenartikler, für ihre Werbekampagnen schon ohne ihn auskämen.

Der ORF hat 2008 aus Werbung 263 Mio. Euro eingenommen, davon 183 Mio. Euro im Fernsehen und 80 Mio. im Radio. 2007 hatte das Fernsehen noch 220 Mio. Euro an Werbeeinnahmen gebracht, Radiowerbung blieb stabil. Die Programmentgelte stiegen 2008 dank der Gebührenerhöhung von 473 auf 504 Millionen.

Auch bei den ORF-Strukturen wünscht sich Kopf Veränderungen. Der 35-köpfige Stiftungsrat wäre eine "ideale Konstruktion für eine Generalversammlung", dazwischen sollte ein neues Prüfungs- und Aufsichtsorgan mit acht bis zehn Leuten installiert werden. Kopf wünscht sich eine vierköpfige Geschäftsführung "mit einem starken CEO, aber keinem Alleinunterhalter". In dieser neuen Geschäftsführung könnte man dann kaufmännische und journalistische Agenden personell trennen. (APA)

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